Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

O daß ich tausend Zungen hätte von

O daß ich tausend Zungen hätte
und einen tausendfachen Mund,
So stimmt ich damit um die Wette
vom allertiefste Herzensgrund
Ein Loblied nach dem andern an
vom dem, was Gott an mir gethan.

O daß doch meine Stimme schallte
bis dahin, wo die Sonne steht!
O daß mein Blut mit Jauchzen wallte,
so lang es noch im Laufe geht!
Ach wär ein jeder Puls ein Dank
und jeder Odem ein Gesang!

Was schweigt ihr denn, ihr meine Kräfte?
auf, auf! braucht allen euren Fleiß,
Und stehet munter im Geschäfte
zu Gottes, meines Herren, Preis!
Mein Leib und Seele, schicke dich
und lobe Gott herzinniglich!

Ihr grünen Blätter in den Wäldern,
bewegt und regt euch doch mit mir!
Ihr schwanken Gräschen in den Feldern,
ihr Blumen, laßt doch eure Zier
Zu Gottes Ruhm belebt sein
und stimmet lieblich mit mir ein!

Ach, alles, alles, was ein Leben
und einen Odem in sich hat,
Soll sich mir zum Gehilfen geben,
denn mein Vermögen ist zu matt,
Die großen Wunder zu erhöhn,
die allenthalben um mich stehn.

Dir sei, o allerliebster Vater,
unendlich Lob und Seel und Leib!
Lob sei dir, mildester Berater,
für allen edlen Zeitvertreib,
Den du mir in der ganzen Welt
zu meinem Nutzen hast bestellt.

Mein treuster Jesu, sei gepriesen,
daß dein erbarmungsvolles Herz
Sich mir so hilfreich hat erwiesen,
und mich durch Blut und Todesschmerz
Von aller Teufel Grausamkeit
zu deinem Eigentum befreit.

Auch dir sei ewig Ruhm und Ehre,
o heilig werter Gottesgeist,
Für deines Trostes süße Lehre,
die mich ein Kind des Lebens heißt.
Ach, wo was Guts von mir geschicht,
das wirket nur den göttlichs Licht.

Wer überströmet mich mit Segen?
bist du es nicht, o reicher Gott?
Wer schützet mich auf meinen Wegen?
du, du, o Herr Gott Zebaoth!
Du trägst mit meiner Sündenschuld
unsäglich gnädige Geduld.

Vor andern küss ich deine Rute,
die du mir aufgebunden hast:
Wie viel thut sie mir doch zu gute
und ist mir eine sanfte Last.
Sie macht mich fromm und zeugt dabei,
daß ich von deinen Liebsten sei.

Ich hab es ja mein Lebetage
schon so manch liebes Mal gespürt,
Daß du mich unter vieler Plage
durch alle Straßen hast geführt.
Denn in der größesten Gefahr
ward ich dein Trostlicht stets gewahr.

Wie sollt ich nun nicht voller Freuden
in deinem steten Lobe stehn?
Wie wollt ich auch im tiefsten Leiden
nicht triumphierend einhergehn?
Und fiele auch der Himmel ein,
so will ich doch nicht traurig sein.

Drum reiß ich mich jetzt aus der Höhle
der schnöden Eitelkeiten los,
Und rufe mit erhöhter Seele:
mein Gott, du bist sehr hoch und groß!
Kraft, Ruhm, Preis, Dank und Herrlichkeit
gehört dir jetzt und allezeit!

Ich will von deiner Güte singen,
so lange sich die Zunge regt,
Ich will dir Freudenopfer bringen,
so lange sich mein Herz bewegt,
Ja, wenn der Mund wird kraftlos sein,
so stimm ich doch mit Seufzen ein.

Ach, nimm das arme Lob auf Erden,
mein Gott, in allen Gnaden hin:
Im Himmel soll es besser werden,
wenn ich verklärt und selig bin;
Da sing ich dir im höhern Chor
viel tausend Halleluja vor.