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s Sandmaidli von

's Sandmaidli

's isch helli, klari Wiehnachtszit,
Der Rif uf alle Dächer lit,
Mit rothem Schin glänzt d' Sunne dri
Und luegt so kalt in kalte Rhi.
Und uf de Stroße, lueg wo d' witt,
Do laufe d' Lit im schnellste Schritt;
E Jedes het, wie's ebe ka,
Hüt sini wärmste Kleider a.
Im Winterhalstuch d' Mägd dert gehnt,
's isch gnueg, sie sind mir so verwehnt.
Sie sind pressiert und kaufe-n-i,
Der Korb muß hüt ganz agfüllt si.
Und nebedra, im Mantel warm,
Goht mengi Husfrau; schwer am Arm
Hangt ere d' Täsche, denn sie het
Gar richlig ikauft und gar nett.
Im Sammetpalz, es isch e Pracht,
Die richi Dame Ikäuf macht
Was 's numme Schön's und Kostbar's git,
Das bstellt si gli und b'sinnt si nit;
Und uf der Stroß, im volle Staat
Stoht d' Equipage scho parat.
Es isch e Lebe rings umher,
E munter Tribe, Krütz und Quer,
Und d' Läden us und d' Läden i
Goht Klei und Groß und tummelt si;
Und Jedes luegt so gschäftig dri,
's muß hüt gar mengs no fertig sie.
Und z'mittse drin, vo Hus zu Hus
Goht dert e Maidli d' Stroßen us
E Wägeli zieht's langsam mit
Voll Sand, 's möcht's no verkaufe hit.
Trübselig lauft's im schlechte Kleid
Und paßt nit in die Wiehnachtsfreid.
Dert zieht's e Glocke, und bald druf
Goht d' Thüre wie vo selber uf.
E jungi Frau gschwind userennt,
Ihr schöni Arbet in de Händ:
?Was, numme Sand! Das isch doch z'arg!
Was schellsch denn numme-n-au so stark!
I ha gmeint, 's syg der Postma scho,
Sunst wär i gwiß nit useko!"
's Sandmaidli het si Antwort ka,
's got witer, lütet wieder a,
Da kunt e Köchene: ?Aber sag,
Mainsch denn, mer esse Sand z' Mittag?
Bisch denn nit erst vorgestert ko?
I han e ganze Züber gno.
Und bi der Kälti, weisch de wohl,
Do putzt me nit so viel uf's Mol,
Denn d' Here schimpfe ohnidies,
Was ich au allewil pfletsche müeß".
's Sandmaidli sait: ?He nai, i bi
E Zitlang nimme bi-u-ech gsi".
Doch sieht's: 's isch nit viel z'mache do,
Und goht halt wieder still dervo,
Und kunt dert in en ander Hus,
Das sieht so schön und wohnlig us,
Und dinne richt die warmi Luft
No Leckerli und Tanneduft.
's isch nimer do, de 's froge ka,
Drum klopft's dert an e Thüre-n-a
Und streckt der Kopf zu Stube-n-i:
?I hätt schön Sand vo usem Rhi".
Im Zimmer amme große Tisch
Stehnd Maidli, Buebe, gsund und frisch,
Si hend e Mengi Gschenkli druff,
Und wicklen i und schriben uff,
In wiß Papier und Bändeli roth,
Wie's ere Bscheerig wohl astoht.
Sie sehnd gar wichtig us derzue
Und meine, 's haig kei Mensch so z'thue.
Und d' Jugedfreid und 's Wiehnachtsglick
Strahlt eme Jedem ussem Blick.
's Sandmaidli sehnd si z'erst gar nit;
Drum sait's zum zweite Mol si Bitt;
Do luegt denn endlig Eis in d' Höh
Und rüeft: ?Was, Sand? nai, die Idee!
Jetz bitt i euch! nai, de Verstand!
Wer bruucht denn an der Wiehnacht Sand!"
Und Alles lacht im Übermueth;
Keis denkt, wie weh's dem Maidli thuet,
Und wie's in dere frohe Zit
Meng arm und trurig Herz no git.
's verloßt jetz still das guet warm Hus
Und denkt, es well no d' Vorstadt us.
Dert wohnt e Frau, die mengmol scho
Ihm vo sim Fegsand het abgno;
Sie het ihm au scho Suppe geh
Und zweimol gar e warm Kaffee.
Doch ach, es trifft kei gueti Stund;
Das sieht's glich, wie's dert ine kunt.
Denn d' Husfrau in der Kuchi stoht,
Wo große Arbet vor sich goht.
Gâteaux de Milan, Brünsli zart
Und Aenisbrötli schönster Art,
Die werden ifrig fabriziert
Und schön uf d' Kucheblech rangiert.
D' Magd und 's ältst Maidli stehnd am Tisch
Und torge, wie's der Bruuch halt isch,
Und uffem Füür der Anke zischt,
Und d' Mamme d' Schenkeli use fischt.
Doch 's Füür isch z' groß, der Anke z'heiß,
Sie kunt vor Angst in helle Schweiß.
Do sieht sie 's Maidli ineko,
Sie lüpft gschwind d' Pfanne: ?Du bisch do?
Ach lueg, i han unmöglig Zit,
Wärsch nur au gestert ko statt hit;
I bi pressiert, Du siehsch's jo wohl,
Kumm Du derfür enander Mol".
Und wie's Sandmaidli witer's goht
Und d' Frau bi ihre Schenkeli stoht,
So denkt sie: ?I han unrecht tho,
Das arm Ding wieder furt lo z'go;
Mir mache Zuckerzüüg druf los,
Und es lauft hungerig dur d' Stroß.
Doch 's nächste Mol will i denke dra,
Es mueß e guet warm Kaffee ha;
I könnt ihm au do mini Schueh
Und's Berta's Rock uf d' Site thue".
So tröstet sie sich notino,
Doch het's Sandmaidli nüt dervo.
Trübselig lauft's dur d' Stroßen i
Und denkt: ?Wär d' Wiehnacht nur verbi!
Das isch die allerschlimmsti Zit
Und numme schön für riche Lit".
's mag nimme froge, 's nutzt jo nit,
Und bis 's daheim isch, het's no wit.
Die schöne Läde luegt's nit a,
's ka jo von Allem doch nit ha.
Mit schwerem Schritt goht's still dervo,
Nur näime blibt's e wenig stoh
Und bschaut e Bild in Farbe frisch,
Das im e Fenster usgstellt isch:
Do lit in siner Krippe hart
Das Jesuskindli klei und zart;
's isch Alles arm und gring derbi,
Und doch dunkt's eim so lieblig z'st.
's kunt gwiß vo selbem Lichterkranz,
De 's Kind umstrahlt mit hellem Glanz.
's Sandmaidli luegt und blibt als stoh,
's ka vo dem Bild gar nimme lo;
Und 's isch em grad, als dring de Glanz.
Ihm hell und klar durine ganz.
Es macht em 's Herz uf eimol warm,
's isch nit so einsam meh und arm,
Und 's isch em: grad so schlecht und gring,
En einsam und verlosse Ding,
Wie es jetz müeß dur d' Stroße go
Ghör's zu dem arme Kindli do.
Und 's spürt in allem Weh und Leid
E Stickli ächti Wiehnachtsfreid.

Und er de in der Krippe lit,
Der König jeder Wiehnachtszit,
Dem Erd und Himmel unterthan,
Er het uf siner Erdebahn
Voll Lieb und Huld, mer wisse's jo,
E jedi Gab engege-gno,
Die d' Menschen Ihm voll Dank und Freid
Hend brocht in siner Niedrigkeit.
Und jetz, als Herrscher aller Welt,
Hoch über Macht und Richthum gstellt,
Nimmt Er no immer gnädig a,
Was 's Menscheherz Ihm schenke ka,
Und was es Ihm voll Dank und Freid
Zu sine Füeße niederlait.
So lang no unsri Erde stoht,
Si Wort dur alli Zite goht:
?Was ihr em Gringste lebnd zueko,
Das hend ihr Mir in Liebi tho!"