Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Sterbelied von

Sterbelied

(»Ich sing mein Lied mir nun zum letzten Schlaf« Aus »Tobias Wagenknecht«)

Komm, Liebe, Glück; ich warte: Komm, o Ruhe!
Komm, Frau-und-Kind, gefühlt und nie gesehn!
Leg deine Hand auf meine Stirn und tue
Mir meine Augen zu mit deiner Locken Wehn!

Gib mir die Hand, du innig Heitre, Milde!
Ich will mit dir ins Land der Schatten gehn,
Vergehn in dir: vergehn in deinem Bilde.
Komm, Kind-und-Frau, gefühlt und nie gesehn.

All meine Schuld versinkt ins Meer der Ruhe.
Komm, Kind-und-Frau, gefühlt und nie gesehn:
Küß mich ein erstes: letztes Mal und tue
Mir deine Arme auf! - Es ist geschehn.