Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Marcus Curtius von

Marcus Curtius

Stolzes Rom, welch' Unheil droht dir, welches Loos ist dir gefallen,
Daß in Klagen zu den Tempeln deine muth'gen Söhne wallen?

Unaufhörlich grollt der Sturmwind in den schwarzen Ungewittern;
Krachen öffnen sich die Grüfte, Felsen stürzen, Berge zittern.

Und es öffnet sich die Erde, und aus wildzerriss'nen Spalten
Fließen Ströme glüh'nden Feuers mit verheerenden Gewalten.

Aengstlich zu den heil'gen Tempeln, seine Priester zu befragen,
Zieht das Volk hin, bleich und bebend, weithin schallen seine Klagen.

Doch den strengen Zorn der Götter will kein Flehen mehr versöhnen,
Und die Wuth der Elemente muß den Jammer übertönen.

Siehe da erhebt prophetisch jetzt ein Augur seine Stimme:
?Eines nur kann Euch beschützen vor des Schicksals wildem Grimme!

?Werft das Köstlichste in's Feuer, dann wird sich das Unheil wenden
Und der Schrecken, der Euch peinigt, wird in Glück und Freude enden!" –

Und das Volk vernimmt die Kunde, eilt mit reichbelad'nen Händen,
Was es Köstliches besitzet, will es opferfreudig spenden.

Edelsteine, Gold und Silber, eines Bürgers reiche Habe
Wird verschlungen unersättlich von dem off'nen Feuergrabe.

Stolze Lorbeern, frische Kränze, höchster Lohn erfüllten Strebens,
Alles sinkt zur Tiefe nieder; – doch das Opfer ist vergebens.

Endlich stürzt mit Helm und Panzer sich ein muthbeseelter Ritter,
Kühn sein Roß zum Abgrund lenkend, in des Schlundes Ungewitter.

Sieh – da loht nicht mehr die Flamme – ausgesöhnet sind die Götter,
Und das Volk es ruft voll Jubel: ?Heil Dir, Curtius, dem Retter!"

Und es singt ein Chor von Priestern: ?Ruh' in Deinen Heldenehren,
Römergröße wird Dein Name noch der späten Nachwelt lehren!"

Sangen's, und noch ferne Zeiten von dem Lob erfüllet werden,
Daß für's Vaterland zu sterben, sei das Köstlichste auf Erden.