Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

König Schwerting von

König Schwerting

435 n. Chr.

Der König Schwerting sitzt im hohen Saal
Und schaut hinaus in's abendliche Thal;
Sein Auge blickt so wild, als ging's zur Schlacht,
Und schmückt ihn doch die leichte Friedenstracht;
Sein Auge blickt so trüb und ernst hinaus,
Und hat geladen Gäste doch in's Haus!

Ja, Dänenkrieger, die verheert sein Land,
Und ihn bekämpft mit wilder Räuberhand,
Und die sein Volk, so edel, kühn und frei,
Gestürzt in Schmach und ehrne Sclaverei.
Gebrochen ist sein Herz – er beugt das Haupt,
Und ruft zum Fest den Feind, der ihn beraubt.

Die lange Tafel, einst in bess'rer Zeit
Der Helden Sitz, nach siegbeglücktem Streit,
Wie reich ward sie geschmückt zum Feindesmahl,
Bei Silberschüsseln glänzt der Goldpokal.
Noch einmal schaut sie Schwerting traurig an,
Denn seine wilden Dänengäste nah'n! –

?Sag an, wo weilt Dein schönes Töchterlein,
Sie soll kredenzen uns den Meth und Wein?" –
Der König lacht: – ??Die sandt' ich gestern fort,
Und holen müßt ihr sie vom Inselport:
Doch ihr Gemahl, der letzte Sachsenheld,
Wagt erst um sie den Kampf im offnen Feld.

??Doch greift zum Mahl, ich selbst kredenze heut'
Wein oder Meth, was euer Wort gebeut.
Auf, Mundschenk, auf, und Truchseß komm heran,
Und Fackelträger, euer Werk gethan!"" –
Vier Fackelträger schleichen still hinaus
Und zünden heimlich an das Königshaus.

?Ha! wie kredenzt der alte König gut" –
Die Dänen rufen's laut mit trunk'nem Muth,
Sie hören nur wie wild der Nachtwind braust,
Nicht wie die Flamme nah und näher saust;
?Sing, alter König, sing uns noch ein Lied,
Dann scheiden wir, eh' Mitternacht entflieht".

Da streckt der König aus die Heldenhand,
Und reißt die gold'ne Harfe von der Wand;
Der Boden kracht – die Dänen lauschen bang,
Die Halle dampft – er stimmt den Todtensang –
Und singt, und singt von einem Königsgreis,
Der für sein treues Volk zu sterben weiß!