Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Ludwig's des Frommen Tod von

Ludwig's des Frommen Tod

Es kommt ein Schiff geschwommen
Herab den stolzen Rhein,
Die weißen Segel wallen
Im gold'nen Mittagsschein;
Umgeben von Getreuen
Ruht drin gebettet weich
Der fromme Kaiser Ludwig,
So krank und todesbleich.

?Legt an, legt an, ihr Schiffer,
Bei dieser stillen Au,
Da weh'n durch schatt'ge Bäume
Die Lüfte mild und lau,
Da rasseln keine Schwerter,
Da tönt kein Schlachtgesang
Mir vom Verrath der Söhne
Mit fürchterlichem Klang.

?Und auf dem grünen Rasen,
Ihr Treuen, spannt mein Zelt,
Auf daß in Frieden ruhe
Der Herrscher einer Welt.
Schon rauscht des Rheines Welle
Ein sanftes Schlummerlied,
Und leichter wird sich schließen
Mein Auge trüb und müd".

Es sprach's der kranke Kaiser,
Da wird erfüllt sein Wort,
Man trägt ihn auf ein Lager
Am kleinen Inselport.
Wie blaß sind seine Wangen,
Wie todesmatt sein Blick,
Er richtet ihn voll Trauer
Nach Ingelheim zurück.

Und auf den Zinnen leuchtet
Der letzte Abendstrahl,
Die hundert Säulen schimmern
Am stolzen Kaisersaal;
Da fühlt der fromme Ludwig,
Daß seine Stunde schlägt,
Er betet lang und leise
Und sagt von Schmerz bewegt:

?Seht wie der Glanz der Säulen
Verschwunden ist in Nacht, ?
Bald wird auch so vergehen
Der Karolinger Macht! ?
Sagt meinen fernen Söhnen,
In Wehr und Waffen wild,
Daß sie dies Herz gebrochen,
Zu weich und vatermild.

?Doch will es gern vergeben,
Vergessen muß es bald
Der Erde Lust und Schmerzen,
Haß, Liebe und Gewalt!
Ihr Ritter, nehmt die Krone.
Umglänzt von nicht'gem Schein,
Lothar soll sie empfangen,
Er wird nun Kaiser sein.

?Und bringt ihm auch den Zepter,
Zu schwer oft meiner Hand,
Bringt ihm den Purpurmantel,
Denn nun zum dritten Male
Vom stolzen Kaiserthron,
Doch, ach, in's Grab hernieder,
Steigt, großer Karl! Dein Sohn.

?Aus ? aus ?" sein Auge sinket
Umhüllt von Todesnacht,
Er hat den Kampf bestanden,
Er hat den Sieg vollbracht.
Doch um die Königsleiche
Knie'n traurig und voll Schmerz
Die Ritter zum Gebete
Für das gebrochne Herz.