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Des Künstlers Ritterschlag von

Des Künstlers Ritterschlag

Auf Nürnberg's Burgeszinnen stand
Einst Kaiser Max und weidet
Sein Aug' am schönen Frankenland.
Vom Frühlingsschmuck umkleidet.
Und auf die stolze Noris schaut
Er hin mit freud'gen Blicken;
Du wirst, sprach er, doch noch als Braut
Das schöne Deutschland schmücken.
Du stehst so frei, Du stehst so hehr,
Und Deine festen Thürme
Besiegen nie und nimmermehr
Der Zeiten rauhe Stürme.
Dir, Noris, schenk' ich meine Gunst,
In Dir, nach rauhem Siege,
Wünscht' ich zu ruh'n. Du bist der Kunst,
Bist Deutschlands Künstler-Wiege.
?Noch sah ich meinen Dürer nicht!
? Sprach er zum Edelknaben ?
Mir ist's als fehlt' der Sonne Licht,
Eil' fort, ich will ihn haben.
Von Bildern, die hier aufgestellt,
Soll er sein Urtheil sagen,
Ich lausche gern was ihm gefällt,
Möcht' ihn um manches fragen". ?
Und Dürer kam. Der Kaiser grüßt
Ihn mit vertrautem Nicken.
Die ganze Ritterschaft verdrießt
Maximilian's Entzücken.
Als Dürer mit dem Kaiser spricht,
Belehrend, dienstbeflissen,
Ihm zeigt der Farben schönstes Licht
Mit künstlerischem Wissen,
Da warf ein Ritter ein voll Neid:
?Der Meister nicht gedenket,
Daß uns in jetz'ger ernster Zeit
Die neue Lehre lenket.
Nicht lehrt sie, daß man Bilder malt,
Zu Gott das Herz jetzt redet!
Nicht üben Götzen mehr Gewalt,
Wenn man im Geiste betet!"
Und er, der ganz sein Leben weiht,
Unsterblichkeit zu schenken
Der Tugend einer frühern Zeit,
Der Frommen Angedenken;
Der für so manchen Hochaltar,
Zur Andacht, zu erbauen,
Gemalt der schönsten Engel Schaar
Und Bilder frommer Frauen;
Er hört den Hohn. Sein Auge flammt.
Ein Aug', das nur beglücket
Durch Güte, die vom Herzen stammt,
Und treu und offen blicket!
Die Stirne, so gedankenreich,
Wie warf sie finst're Falten!
Man sah, gleich einem Schattenreich,
D'rauf bittern Unmuth walten.
Schnell schwand des Mundes weicher Zug;
Er öffnet ihn zum Sprechen.
Die Lippe ohne Falsch und Trug
Soll sich am Feinde rächen.
?Herr Ritter, was die neue Lehr'
Betrifft, weiß ich zu ehren!
Ihr aber, glaubet nimmermehr
Mich darin zu belehren,
Daß es zum Aberglauben bringt,
Was fromm mein Pinsel waget.
Führt Euch zum Mord denn unbedingt
Das Schwert, so Ihr hier traget?" ?
So sprach der Künstler, und ihm winkt
Der Kaiser zu im Stillen. ?
Als Alles schwieg vom Streit gedrückt,
Sprach Max: ?Ihr sollt erfüllen
Mir ein Begehr; denn einen Schatz
Möcht' ich von Euren Händen,
Wie Ihr schon wißt, an diesem Platz
Im Schlosse hier verwenden.
Drum laßt mich rasch den Entwurf seh'n
Und greift zu Eurer Kreide;
Ich weich', daß wir usn recht versteh'n,
Jetzt nicht von Eurer Seite".
Doch war der Platz für Künstlers Hand
Zu hoch, nicht konnt' erreichen
Der Meister die erwählte Wand;
Der Kaiser gab ein Zeichen.
Man bracht' die Leiter, und hinan
Steigt Dürer rasch die Stufen.
Doch eh' er noch sein Ziel gewann,
Hört' er den Kaiser rufen
Zu seinem nächsten Cavalier:
?Seht Ihr die Leiter beben?
Gleich haltet sie dem Meister hier,
Es könnt' ein Unglück geben!"
Der Ritter aber blickte wild
Und sprach zu Max vermessen:
?Vergebt mir, doch mein Wappenschild
Darf ich nicht so vergessen.
Für diesen Dienst der Ritter dankt,
Nicht ziemt er dem Vasallen!"
?So aber, wenn die Leiter wankt,
? Sprach Max ? soll Dürer fallen?
Kann jeden Bürger, wenn's gebricht,
Zum Ritter schnell erheben,
Doch einen Dürer würden nicht
Der Freiherrn hundert geben!? ?
Und Max selbst nach der Leiter langt,
Und hielt mit eignen Händen
Sie fest, auf daß sie nimmer wankt
Und Dürer konnt' vollenden.
Und als der Meister hochgeehrt
Ihm knieend Dank will sagen,
Da griff der Kaiser nach dem Schert,
Zum Ritter ihn zu schlagen.
?Empfang' ? sprach er ? den Schlag von mir
Empfang' den Ritteradel,
Und bleibe meiner Edlen Zier,
Bleib' rein und ohne Tadel.
Drei Silberschilde ich verleih'
Im Wappen Dir, als Zeichen,
Daß Deine fromme Schilderei
Soll keinem Künstler weichen.
Ein blaues Feld, rein wie die Luft,
Das sei der Grund der Schilde
Und deute an die Räthselkluft
Von Wahrheit und Gebilde.
Dir ward der höchste Schatz zu Theil,
Ein kindlich reich Gemüthe,
Das wirket für der Menschen Heil
In ewig reiner Blüthe.
D'rum nimm, Du hochbegabter Mann,
Da ich nichts And'res habe,
Womit ich Dich beglücken kann,
Nimm hin die schlichte Gabe".