Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Quintin Messys von

Quintin Messys, der Schmied von Antwerpen

Wer ist's, der den Hammer so mächtiglich schwingt,
Daß dröhnend, wie Donner, es ringsum erklingt?
Gebräunt ist sein Antlitz von Ruß und von Rauch,
Doch blau, wie der Himmel, sein strahlendes Aug' -
Der Schmied von Antwerpen.

Er hämmert noch schneller, von Funken umspritzt,
Im Auge noch heller der Funken ihm blitzt:
Es lodern die Flammen, es sauset der Sturm,
Er schmiedet das Dach zu dem Brunnen am Thurm,
Der Schmied von Antwerpen.

Da schauet ein Köpfchen mit rosigem Schein,
Mit goldenen Flechten in's Fenster herein.
Wem mag er wohl gelten, der lächelnde Gruß? -
Er gilt dem Gesellen, gebräunet von Ruß,
Dem Schmied von Antwerpen.

Die Tochter des Malers ist lieblich und hold,
Sie trägt an den Armen wohl Spangen von Gold;
Die schöne Gestalt schmückt ein seiden Gewand,
Sie drückt ihm die kräftige, schwarzbraune Hand,
Dem Schmied von Antwerpen.

Sie geht - wie durch Schatten das Morgenroth bricht,
Umleuchtet der Purpur sein dunkel Gesicht,
Es lodern die Flammen, es sauset wie Sturm,
Er schmiedet das Dach für den Brunnen am Thurm,
Der Schmied von Antwerpen.

Doch als er vollendet das künstliche Dach,
Das Fieber die Kraft zu der Arbeit ihm brach,
Nun liegt er verlassen in ärmlicher Zell',
Das Auge so düster, das Angesicht hell,
Der Schmied von Antwerpen.

Da rollet ein Tropfen, wohl brennend und heiß,
Ihm still auf die Hand hin, die schwach nun und weiß;
Auf schlägt er das Auge in Wonne und Leid
Und blickt in das Auge der rosigen Maid, -
Der Schmied von Antwerpen.

Drauf spricht sie mit Lächeln und Thränen im Blick:
"Wohl mag sich noch wenden das finstre Geschick,
Der Vater gewährt mich dem Maler allein;
Drum strebe, ein tüchtiger Maler zu sein,
Der Schmied von Antwerpen."

"Sieh', Pinsel und Farben hab' ich dir gebracht,
Schon größere Wunder hat Liebe vollbracht.
Ich fleh' zu Marien, der Königin mild,
Sie strahle in's Herz dir ein himmlisches Bild.
Dir, Schmied von Antwerpen."

Sie scheidet. Als Schlummer das Auge ihm schließt,
Ein glänzender Traum seine Seele umfließt;
Maria erscheint ihm, die Königin mild,
Sie strahlet in's Herz ihm ein himmlisches Bild,
Dem Schmied von Antwerpen.

Und als er erwachet, mit zitternder Hand
Er malet sein Traumbild entzückt an die Wand,
Und wer es erschauet, spricht freudig gerührt:
Maria hat gnädig die Hand ihm geführt,
Dem Schmied von Antwerpen.

Es hallen die Glocken, ein glückliches Paar
Wallt, festlich geleitet, zum heil'gen Altar;
Es leuchtet die Jungfrau holdselig und hell,
Und freudig und stolz blickt der edle Gesell,
Der Schmied von Antwerpen.