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Am Palmsonntage von

Am Palmsonntage

Der Morgenthau will steigen;
Sind denn die Palmen grün?
Auf, laßt mit hellen Zweigen
Uns Ihm entgegen ziehn.
Er will in unser Haus,
In unsre Kammer kommen!
Schon ziehen rings die Frommen
Mit Lobgesang heraus.

Ich kann nicht mit euch gehen,
Mir ist der Odem schwer;
Die Freuzfahnen wehen,
Ich folge nimmermehr.
Wir wird so klar die Luft!
O Jesu, süße Helle,
Du kommst in meine Zelle,
In meine Modergruft!

Was soll ich dir bereiten,
Du wunderlieber Gast?
Ich möchte dich verleiten
Zu langer Liebeskraft.
Wohlan, ich schmücke dich,
Will dich mit Blumen binden;
Du sollst dich nicht entwinden,
Das weiß ich sicherlich.

Aus deiner Mutter Rechten
Will ich um deinen Fuß
Die reine Lilie flechten
Mit demuthvollem Gruß.
Daß ich dich fessle ganz
Mit Liebesblumenringen,
Will um dein Haupt ich schlingen
Den heil'gen Rosenkranz.

De Boden will ich streuen
Mit Palmen ganz und gar,
Mein Leiden dir zu weihen,
Was ich in diesem Jahr
Oft still, oft schwerer trug.
Es liegt zu deinen Füßen,
Es soll mich nicht verdrießen,
Dein Will' ist mir genug!

Wie soll ich mich doch finden
In deine Liebesmacht,
Daß du an meine Sünden
So gar nicht hast gedacht!
Ich lasse nicht von dir,
Mußt du gleich wieder scheiden,
Ich fühl' es wohl in Freuden,
Du kommst noch oft zu mir.