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O Hertzens-Angst! O Bangigkeit ... von

O Hertzens-Angst! O Bangigkeit ...

Mel.: Hertzliebster JESU, was hast du verbrochen

O Hertzens-Angst! O Bangigkeit und Zagen!
Was seh ich hier für eine Leiche tragen?
Weß ist das Grab? wie ist der Felß zu nennen?
Ich sol ihn kennen!

Ach rinnt, ihr Threuen! fliest! ach fliest! ach wehe!
Es ist der HErr, mein Liebster, ich vergehe;
Mein trautster Schatz, den einig ich erkohren,
Mir nun verlohren.

Halt still, ihr Träger! wartet doch! halt stille!
Verziht, bis ich den Leib mit Thränen fülle,
Den schönen Leib, dem sich mein gantzes Leben
Allein ergeben.

O Jesu! ach mein HErr, du Licht der Erden,
Wie hast du müssen so getödtet werden?
Wie läst GOTT dich, sein liebstes Kind, erwürgen,
Mich zu verbürgen.

Wo bleib' ich nun? was thu ich? ach ich Sünder!
Ich Höllen-Brand! es stirbt der Ueberwinder,
Der Reine stirbt, und ich soll leben bleiben?
Wer wil das gläuben?

Ich gläub'! ach ja, ich gläube, grosses Lieben
Hat, liebster JEsu, dich dahin getrieben,
Daß du den Tod für mich, für mich erduldet,
Als selbst verschuldet.

Drum kan in dir ich Hülf und Leben haben,
Drum kan mein Geist in deinem Blut sich laben,
Drum kanstu nun die Schuld bey Gott verbitten,
Weil du gelidten.

Komm her, mein HErr! komm, ruh in meinem Hertzen,
So fühl ich nicht Noht, Angst, Gefahr und Schmertzen:
Schau', wie ich such', in brünstigem Verlangen
Dich zu empfangen.

Gib ja nicht zu, daß du noch eins solt leyden,
Ach laß mich für und für die Sünden meiden,
Auf deinen Tod hilf, HErr, mir fröhlich sterben,
Den Himmel erben.