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Grabessehnsucht von

Grabessehnsucht

Ruhig ist der Todesschlummer,
Und der Schooß der Erde kühl;
Da stört uns're Ruh' kein Kummer,
Nicht der Leidenschaften Spiel.
Uns're Sorgen, groß und klein,
Schlummern alle mit uns ein.

Ueber uns'rem Hügel schwinget
Die Vergessenheit den Stab,
Und der Schmähsucht Stimme dringet
Nicht in's stille, dunkle Grab.
Fehler, die uns hier besiegt,
Werden da nicht mehr gerügt.

Uns're Seufzer, uns're Thränen,
Werden ewig dann gestillt;
Unser Wünschen, unser Sehnen,
Alles, alles wird erfüllt;
Herzen, die sonst heiß gewallt,
Liegen fühllos dann und kalt.

Läg' auch meines, von den Sorgen
Dieses Lebens unempört,
In der Erde Schooß verborgen,
Wo nichts seinen Frieden stört.
Kühles Grab, o wann nimmst du
Mich in deine stille Ruh?