Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Vaterunser! von

Vaterunser!

So fleht der Halm, sanft bebend im Abendhauch,
So rauscht das Meer, wallt hoch es in Sturm und Drang,
So haucht, was Odem hat und Leben,
Sei's in der Höh', in der Tiefe Klüften.

Und auf, zum Raum ohn' Ende, wo Licht und Nacht
In ew'gem Kreislauf walten, erhebet sich
Der Blick mit Zuversicht und suchet,
Vater, den Deinen, den Blick der Liebe!

Doch groß, Jehova, bist du! Es beuget sich
Bei Deines Namens Laut, – von der Sterne Reich
Herab, bis zu des Staubes Tiefe –
Alles, dem Leben verlieh'n und Regung.

Nach Deinem Geist, Allmächtiger, streben wir!
Daß ewig sei, unendlich, was usn beseelt. –
O laß des Zweifels Finsternisse
Nimmer ihn trüben, den lichten Glauben!

Danndränge, Fluth, dann stürme Du, Windesbraut!
Sein Wille ist's, sein Odem, der lenket euch,
Und seine Hand, die mild versöhnend
Wandelt zum Segen des Fluches Thaten.

Und was uns noth thut, Vater, Du gibst es uns:
Das Licht, den Hauch voll Wärme, den zarten Thau.
Es sprießet Ueberfluß den Bergen;
Thäler und Meere sind voll der Gaben.

O Herz, und dennoch nährest Du Fehl und Schuld?
Du schwankest kraftlos, irrest mit Willensmuth?
Erbarmen, Herr, denn deinem Zorne
Weichen erschüttert des Himmels Festen!

Ja, gnädig sei uns! Dann, wie im sanften Strahl
Der Lenz erwacht, mag unserer Brust ersteh'n,
Durch Deiner Schonung Huld gewecket,
Milde, Verzeih'n, des Versöhnens Frieden.

Und festen Schritts laß wallen uns diese Bahn,
Daß nicht Versuchung locke, der Sünde Leid
Zu häusen über unserm Haupte.
Vater der Liebe, gescheh' es also!