Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Gott ist der Herr! von

Gott ist der Herr!

Gott ist der Herr! Er lässet Sein nicht spotten,
Ob blinder Haß und blöder Unglaub' auch
In tollem Wahnwitz sich zusammenrotten,
Der Wahrheit Licht zu schwärzen mit dem Rauch,
Der schwelend aufsteigt von dem matten Feuer
Des Menschenwissens und der Menschenmacht
Und, gleich des Nebels grau gefärbtem Schleier,
Die Dinge hüllet in noch tief'rer Nacht.

Gott ist der Herr! ob ihr, vom Schein geblendet,
Den eig'nen Geist zum Gotte auch erhöht
Und, von dem Ew'gen auf die Zeit gewendet,
Der Schöpfung laute Sprache nicht versteht.
Gott ist der Herr! ob ihr der Kräfte Walten,
Das Bindeglied, das Stoff und Geist versöhnt,
In Tigel und Retorte glaubt zu halten
Und eurem Willen unterworfen wähnt.

Gott ist der Herr! versteht ihr denn die Zeichen
Der Zeit zu deuten nicht, wie da und dort
Der Erde Vesten aus den Fugen weichen,
In Schutt und Trümmer sinket Ort um Ort?
Wie, eurer Herrschaft spottend, bald die Fluthen
Die Dämme sprengen mit gewalt'ger Hand,
Bald Lavaströme ihre Feuersgluthen
Verheerend gießen über blüh'ndes Land?

Gott ist der Herr! wollt ihr denn nimmer sehen,
Wie's wankt und schwankt auch in der Menschenwelt,
Der Aufruhr schürt in Tiefen und in Höhen,
Wie hier ein Reich und dort ein Thron zerfällt?
Wer ist noch sicher vor dem Mörderstahle,
Seit drohend er in Fürstenschlössern haust?
Wer zittert nicht beim reichen Festesmahle
Vor eines Bettlers dolchbewehrter Faust?

Gott ist der Herr! des Ew'gen Thron zerschmettern
Will trotzdem Frevelmuth und Unverstand ?
Und wird nicht eher glauben, bis in Wettern
Der Höchste strafend zeigt die Rächerhand.
Das Maß ist voll, doch Keiner will verstehen,
Daß nur um Haaresbreit' das Zünglein schwankt
Und er den Aufschub des Gerichts dem Flehen
Bedrängter Unschuld einzig noch verdankt.

Gott ist der Herr! o hört die Warnungsstimme,
Die laut aus Sturm und Drang der Zeiten spricht,
Daß nicht in seines Zorns gerechtem Grimme
Euch unverseh'ns ereile das Gericht.
Denn, wenn Er nahet zur Vergeltungsstunde,
Wer wollt' Ihm widerstehen? Wer, o wer,
Auch in der Hölle nicht mit bleichem Munde
Der Wahrheit Zeugniß leih'n: Gott ist der Herr!