Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

An den Schöpfer von

An den Schöpfer

Wo war ich, als dich Morgensterne lobten?
Da wie aus Windeln du gewickelt hast das Meer?
Und, als vor dir die Welten tobten,
Zu ihnen sprachest: Kommet bis hieher!

Wo lag ich, als dein Arm der Erde Grenzen
Umher gezogen hat und ihren Grund gelegt?
Als du die Morgenröthe glänzen
Mit Purpur hießest, den sie um sich trägt?

In ungeformten Klumpen noch gelegen
Bin ich, als auf dein Wort der Tag hervorgeeilt,
Der Thau gezeugt ward und der Regen,
Und Finsterniß vom Lichte ward getheilt!

Noch gleich dem kleinsten Staube, den die Sonne
Heiß scheinend an sich zieht von dürrer Erde Schooß,
War ich doch schon der Engel Wonne;
Von dir erschaffen, war ich ihnen groß.

Mit Sternenkleidern herrlich angezogen,
Hast du, Gott, Schöpfer! sie dem Winde gleich gemacht;
Schön farbig, wie der Regenbogen,
Wie Sonnengluth ist ihrer Leiber Pracht.

Zum Dienst erschaffen für die Menschenkinder
Sind sie; sie eilen, Gott! wenn du Befehle blickst,
Durch deinen Himmel viel geschwinder
Als deine Blitze, du du flammig schickst!

Aus Aether sind zusammen sie geflossen;
Ich ward wie Staub, der auf der Flur zusammenläuft,
Wenn deine Wolken ihn begossen
Und Kloß an Kloß sich nun zusammenhäuft.

Ich ward; dein Sprechen: ?Laßt uns Menschen machen",
Das riß auch mich hervor, als du des Lebens Thür
Entriegeltest, und noch der Rachen
Des Grabes nicht eröffnet war vor dir!

Jahrtausende vergingen – kurze Tage
Vor deinem Angesicht! – dann kam mein Tag und du
Gabst mir die Hülle, die ich trage
Um deinen Geist, von dir geathmet, zu!

Von deinem Munde, der mit einem Hauche
Gebirge bläset tief herunter in das Meer,
Nehm' ich dies Leben, zum Gebrauche,
Zu deinem Ruhm, Herr! mein Gesang sei er!