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Begierde zu Christo von

Begierde zu Christo

Mel.: Wo ist der Schönste, den

ACh möcht ich meinen JEsum sehen,
Der meine Seel so herzlich liebt,
Ob ich ihn gleich so oft betrübt;
Ach! möcht ich aus mir selber gehen
Zu dem, der mich so kräftig ziehet
Von dieser Welt zu sich hinauf,
Bey der ich mich so sehr bemühet
In meinem gantzen Lebens-Lauff.

Ach! möcht ich doch die Füsse küssen
Und preisen Deine Nägelmaal,
Die Müh und Schmertzen ohne Zahl,
Die er für mich erdulden müssen;
Ach! möcht ich mich doch niedersetzen
Zu seinen Füssen in Geduld
Und sie mit Liebesthränen netzen,
Dieweil er tilget meine Schuld.

Ach! laß mich mit Johanne liegen
An deiner süssen Liebes-Brust
Und treib aus mir der Sünden Wust,
Laß nicht die Welt mich mehr betriegen,
Der ich so lang bin nachgegangen;
Ihr Tand sey mir gantz unbewust
Hinfort, damit nur mein Verlangen
Zu Dir geh, JEsu, meine Lust.

Ja ich muß noch was Grössers bitten:
Zieh mich, mein JEsu, gantz in Dich
Und komm Du selber auch in mich;
Laß mich nur bloß nach Deinen Sitten
Und heil'gem Willen weiter gehen,
Ja ruff und treib mich stets zu Dir
Und laß mich nicht zurücke sehen,
Mein Heiland, so genüget mir.

Ich will hinfort nun alles lassen
Und folgen Dir nur blindlings nach,
Auch achten gantz kein Ungemach;
Ich will nun recht mein Leben hassen,
Damit ich möge zu Dir kommen:
Mach mich nur vest durch Deine Gnad
Und führe mich zu Deinen Frommen;
Gib selbst zu Allem Rath und That.