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Gnade in Christo von

Gnade in Christo(1)

Mel.: O der alles hätt verloren

Süsser Heiland, deine Gnade
Ist viel grösser als man denkt,
Wenn du einer armen Made
Deinen Sinn und Art geschenkt.

Wenn man sonst nach Grunde fragte
Mit bekümmertem Gemüth
Und uns keine Seele sagte,
Wer es ist, der Seelen zieht;

Und auf einmal wirds gespüret,
Daß er JEsus Christus heißt:
O wie wird das Herz gerühret!
O wie rege wird der Geist!

Einem solchen armen Kinde,
Das sich für verlohren hält,
Krümmt und windet in der Sünde,
Zahlt das Lamm das Löse-Geld.

Gnade strömt aus JEsu Wunde,
Daß man Abba sagen kan;
Und man sieht sich von der Stunde
Als ein Kind der Gnade an.

Aber was vor rauhe Wege
Kommen auf der Pilger-Bahn?
Was gebraucht ein Kind vor Pflege,
Bis es selber gehen kan?

Majestätsche gute Liebe,
Du hast viel an uns gewandt:
Unermüdet sind die Triebe
Deiner ausgereckten Hand.

Ey wer wollte nun nicht willig
Mit in deine schöne Schmach!
O wer trüge nun nicht billig
Dir das kleine Creutze nach!

Blicke auf das Heer der Zeugen,
Das sich deiner unwerth schätzt,
Und mit einem tieffen Beugen
Hin zu deinen Füssen setzt.

Krön' es mit Barmherzigkeiten,
Gieb ihm Unerschrockenheit,
Laß es täglich weiter schreiten
Bis zur frohen Ewigkeit.

Deine Lieb ist unser Segen,
Du lebendiger Magnet,
Höre dich nicht auf zu regen,
Bis du uns an dich erhöht.

Salbe uns mit deinem Oele,
Welches Geist und Feuer hat,
Und erneure unsre Kehle,
Wenn sie von dem Zeugen matt.

Und was soll man ferner sagen,
Das du nicht bereits gethan?
Segne uns mit Gnaden-Tagen
Und erweitre unsern Plan.


  1. Unverkürzt und unverändert nach dem Ev. Gesang-Buch der Gemeine in Eberedorf (Ebersd. 1742). In dem Gesangb. zum Gebr. der ev. Brüdergemeinen (Barby 1778) sind die letzten 8 Strophen weggelassen.