Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Jesu Schäflein von

Jesu Schäflein(1)

Weil ich Jesu Schäflein bin,
Freu' ich mich nur immerhin
Ueber meinen guten Hirten,
Der mich wohl weiß zu bewirthen,
Der mich liebet, der mich kennt
Und bei meinem Namen nennt.

Unter seinem sanften Stab
Geh' ich ein und aus und hab'
Unaussprechlich süße Weide,
Daß ich keinen Hunger leide,
Und so oft ich durstig bin,
Führt er mich zum Brunnquell hin.

Mein Erbarmer leitet mich
Sicher und behutsamlich,
Will mir wo was bitter schmecken,
Soll's nur meinen Durst erwecken
Nach dem rothen Wundenbach,
Wenn ich kräncklich bin und schwach.

Ja, im Früh- und Abendthau
Einer immergrünen Au
Schlaf' ich und erwache wieder,
Setz' mich zu der Heerde nieder
In das seligste Revier,
Und ihr Brünnlein quillt auch mir.

Er hat mich hinaus in's Feld
Zu der Lämmer Hut bestellt,
Und ich darf in seinen Nähen
Nur so sachte beiher gehen
Und auf dieser niedern Flur
Folgen meines Hirten Spur.

Drückt mich meine kleine Last
Und ich brauche Ruh' und Rast,
Darf sein Schäflein ohn' Bedenken
In des Hirten Schoß sich senken,
Kriegt an seiner milden Brust
Wieder neue Arbeitslust.

Sollt' ich denn nicht fröhlich sein,
Ich beglücktes Schäfelein?
Denn nach diesen schönen Tagen
Werd' ich endlich heimgetragen
In des Hirten Arm und Schoß,
Amen, ja mein Glück ist groß!

  1. Das Lied, eine Andichtung des 23. Psalms, wurde im August 1772 zum Geburtstage einer Feundin der Verfasserin gedichtet.