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Meinen JEsum laß ich nicht von

Neinen Jesum laß ich nicht

Mel.: Sollt' ich meinen GOtt nicht singen

Mein Erlöser, Licht und Leben,
Weil du bist das höchste Gut,
Bin ich billig dir ergeben,
Mich erquickt dein theures Blut;
Wundergroß ist deine Güte,
Die du hast an mir gethan,
Hier auf dieser Lebens-Bahn,
Des erfreut sich mein Gemühte,
Und mein Hertz mit Freuden spricht:
Meinen JEsum laß ich nicht.

Andre mögen sich ergetzen
An den Gütern dieser Welt,
Ich will mir für Augen setzen,
Was dein Nahme in sich hält.
Du bist meiner Seelen Weide,
Ruhe, Friede, Trost und Theil,
Licht und Stärcke, Hort und Heyl,
Bey so manchen schweren Leide.
Drum mein Hertz mit Freuden spricht:
Meinen JEsum laß ich nicht.

Recht vergnüget kan zubringen
Seine Zeit in dieser Welt,
Wer mit Glauben, Dulden, Ringen
Auf dich seine Hoffnung stellt.
Du bist auch der Müden Stärcke,
Der Verlaßnen Advocat,
Giebst den allerbesten Raht,
Wie ichs alle Wege mercke.
Drum mein Hertz mit Freuden spricht:
Meinen JEsum laß ich nicht.

Iammer hab ich zwar empfunden
Hier in diesem Jammerthal;
Mir dir aber überwunden
Alles Leyden, alle Quaal.
Was kanstu wohl nicht versüssen?
Da dein Hertz ist voller Treu,
Deine Güte täglich neu,
Die mich läst viel Trost geniessen.
Drum mein Herz mit Freuden spricht:
Meinen JEsum laß ich nicht.

Allenthalben wo ich gehe,
Solt du mit und bey mir seyn.
Was ich hier auf Erden sehe,
Soll mein Hertz nicht nehmen ein;
Du solt bleiben mein Exempel,
Dem ich willig folge nach,
Alles ich durch dich vermag,
Du machst mich zu deinem Tempel;
Drum mein Hertz mit Freuden spricht:
Meinen JEsum laß ich nicht.

Es sind lauter falsche Wahren,
Womit sich die Welt vergnügt,
Das hab ich genug erfahren,
Weh! den dieser Schein betriegt.
Du allein bist mein Vergnügen,
Meiner Seelen Ruhm und Ehr,
Meines Hertzens Schild und Wehr,
Daß ich kan die Welt besiegen.
Drum mein Hertz mit Freuden spricht:
Meinen JEsum laß ich nicht.

Lauter Heyl hast du erworben,
Da du an des Creutzes Stamm
Selber bist für mich gestorben,
O du theures GOttes Lamm.
Diß sind Güter die mir bleiben,
Wenn nun alles muß vergehn,
Wenn nun nichts mehr mag bestehn,
Wie wir Christen billig gläuben.
Drum mein Hertz mit Freuden spricht:
Meinen JEsum laß ich nicht.

Ie und je hast du geliebet
Mich, o grosser Lebens-Fürst;
Da dich Adams Fall betrübet,
Hat dich doch nach mir gedürst.
Deine Lieb hat dich bewogen,
Daß du mich von Jugend auf
Und im gantzen Lebens-Lauff
Immerdar zu dir gezogen.
Drum mein Hertz mit Freuden spricht:
Meinen JEsum laß ich nicht.

Solt ich dich, mein Alles, lassen?
O nein! nun und nimmermehr;
Dich will ich im Glauben fassen,
Nur anhangen deiner Lehr.
Dir will ich getreu verbleiben
Und mich dir zu deinem Ruhm,
Als dein wahres Eigenthum,
Wie es sich gebührt, verschreiben.
Drum mein Hertz mit Freuden spricht:
Meinen JEsum laß ich nicht.

Auf dich kan ich sicher bauen,
Denn du bist mein HErr und GOtt;
Die aus Glauben dir vertrauen,
Werden nimmermehr zu Spott.
Deiner Macht muß alles weichen;
Was sich dir entgegen stellt,
Endlich in den Abgrund fällt
Und kan nicht sein Ziel erreichen.
Drum mein Hertz mit Freuden spricht:
Meinen JEsum laß ich nicht.

Bin ich schon mit Creutz beladen,
Dennoch bleib ich stets an dir;
Creutz und Leiden kann nicht schaden
Dem, der dich liebt für und für.
Creutz und Leiden sind die Zeichen,
Daß ich deine liebe Braut,
Die du ewig dir vertraut
Und von der du nicht wilt weichen.
Drum mein Hertz mit Freuden spricht:
Meinen JEsum laß ich nicht.

Es will zwar zu Zeiten scheinen,
Als ob du mir nicht mehr nah,
So daß Freund und Feinde meinen,
Es sey nun kein Helffer da;
Aber endlich kommt die Stunde,
Die du dir hast ausersehn,
Zu erhören all mein Flehn,
Nach dem theuren Gnaden-Bunde.
Drum mein Hertz mit Freuden spricht:
Meinen JEsum laß ich nicht.

Treulich wird von dir gelohnet,
Wer in deinem Dienst getreu;
Endlich, wenn er bei dir wohnet,
Ist er aller Plagen frey.
Denn gewiß, was wir hier leyden,
Ist nicht wehrt der Herrlichkeit,
Die den Frommen dort bereit;
Da will ich mich ewig weiden.
Drum mein Hertz mit Freuden spricht:
Meinen JEsum laß ich nicht.

Hilff mir dieses Wort erfüllen:
Meinen JEsum laß ich nicht.
Von dir hab ich diesen Willen,
O du meine Zuversicht!
Ach! so hilff auch zum Vollbringen,
Der du alles wol bedacht,
Der du alles wol gemacht,
So kan ich mit Freuden singen,
Wenn mir schon mein Hertz zerbricht:
Meinen JEsum laß ich nicht.