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Gnade ist ein schönes Wort von

Gnade ist ein schönes Wort

Mel.: O du Hüter Israel

Gnade ist ein schönes Wort,
Süsse klingt es denen Seelen,
Die das Quälen
Des Verderbens recht erkant
Und den Stand,
Drinnen sie zuvor gewesen,
Eh sie JEsus auserlesen
Fürs wahrhaftge Vaterland.

Gnade! wie bist du so groß
Denen Seelen, die sich können
Sünder nennen
Und empfinden ihre Noth,
Ja den Tod,
Der von andern Sünden-Sklaven
So geruhig wird verschlafen,
Ihnen schmeckt kein Bissen Brod.

Da gehts, wie man leicht eracht,
An ein Teuffels-Dienst verfluchen,
An ein Suchen;
Was daran verhindern kan,
Heisst man Bann:
Und so darf man grade kommen,
Wer da kommt wird angenommen;
Denn er nimmt die Sünder an.

Alle, die wir von Ihm seyn,
Haben erstlich wohl erkennet,
Dann bekennet:
Lieber Heiland! ich bin blind
Und voll Sünd.
Augenblicklich ward uns Leben
Und Gerechtigkeit gegeben,
Daß wir selge Leute sind.

Nun, wir flehen inniglich:
JEsu, mache du uns eilig,
Treu und heilig!
Bind uns sonderlich an dich
Festiglich,
Denn wir sind gar blöde Kinder
Und noch immer schwache Sünder,
Können auch nichts ohne dich.

Laß uns alle Tage mehr,
Wenn wir dir zu Füssen sinken,
Essen, trinken!
Denn seitdem wir sind bey dir
Dürften wir. –
Ach! wer irgend dich gefunden,
Fühlt solch Dürsten alle Stunden,
In der Ferne so wie hier.

Für das Alles, höchster Freund,
Wollen wir doch ewig loben,
Hier und droben.
Groß ist uns all deine Treu,
Alt und neu! –
Gnade, die uns täglich säuget,
Gnade, die uns innig beuget;
O, daß nichts als Gnade sey!