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Auf das Absterben Der Fr. von Breßler von

Auf das Absterben Der Fr. von Breßler

Verhaßte Tichter-Kunst! so hold ich dir gewesen,
So gram und spinne-feind werd ich dir künfftig hin,
Du kanst den Unmuth leicht aus Aug und Minen lesen,
Und siehst, wie traurig ich und mißvergnüget bin.
Nicht frage nach den Quell und Ursprung meiner Schmertzen;
Küßt ich deswegen dich, daß ich nun mit Verdruß,
Derjenigen, die mir so tieff in meinen Hertzen,
Als in dem Sinne, saß, ein Grab-Lied singen muß?
Erblaßte Breßlerin, mein Engel, mein Vergnügen,
Ists möglich? daß ein Brieff mit Schrecken mir entdeckt,
Budorgis sähe dich auf Toden-Brettern liegen,
Worauf das Schicksal dich bethaurens-werth gestreckt;
Ach Freundin, brichst du schon so früh den Bund der Liebe?
Den unsre Freundschafft erst vor kurtzen stifften hieß,
Wo bleibt die Schwesterschafft, und die so zarten Triebe,
Die deine Zuschrifft mir in allen Blättern wieß?
Wie freudig griff ich sonst nach meinen Spiel der Sayten,
Wiewohl es auch zugleich mit Schaam und Furcht geschah,
So offt mein Phöbus mich, dich hieß darmit begleiten,
Und ich von deiner Hand ein Freundschaffts-Zeichen sah.
Doch da dein Fall mich heißt ein Toden-Opffer bringen,
So fällt die Feder mir vor Wehmuth aus der Hand,
Die heischre Muse weiß vor Thränen nichts zu singen,
Als diß: Mir wird durch dich was treffliches entwandt.
Das Glücke ließ mir zwar dein Antlitz niemahls lachen,
Denn die Entfernung ließ es leider nicht geschehn,
Doch kont ich mir von dir ein solches Bildniß machen,
Das dir mehr als so gleich und ähnlich hat gesehn.
Ach Freundin, der Verlust steht gar nicht auszusprechen;
Der Raub ist allzu groß, der mich anjetzt betrifft;
Die Mißgunst konte sich an mir nicht ärger rächen,
Als daß sie zwischen uns den Scheide-Brief gestifft.
Ich kannte deine Treu und ungefärbtes Wesen,
Das, dünckt mich, heut zu Tag ein rarer Phönix heißt,
Kein einges Wörtgen ließ mir was geschmincktes lesen,
Dergleichen Fürniß sonst die Welt gar häuffig weißt.
Und eben dieses macht, daß mir dein frühes Scheiden
Ein Stück vom Hertzen reißt, und in Verwirrung setzt;
Du weist nicht, was darbey muß meine Seele leiden,
Die gantz besonders dich vor andern hochgeschätzt;
Doch hörst du nicht allein mich deine Flucht beklagen,
Es singt gantz Schlesien mit mir ein Klage-Lied;
Dein Breslau kan nunmehr am allerbesten sagen,
Was durch die Breßlerin das Schicksal ihm entzieht.
Die Welt bewunderte dein Grund-gelehrtes Wissen,
Und deine Treflichkeit war weit und breit bekant;
Man wird nach späther Zeit noch deine Lieder küssen,
Sie zeigen Majestät, Geist, Feuer und Verstand.
O Schade, daß die Hand dem Moder soll verbleiben,
Die virtuose Hand, die so viel schönes schrieb!
Doch muß der Fäule Zahn gleich selbige zerreiben,
So hat die Nachwelt doch davon die Asche lieb.
Der Tod kan nichts von dir als blosse Schalen erben,
Der Kern verbleibt der Welt in deiner Tugend Lauff,
Mnemosyne läst nicht dein Angedencken sterben,
Und Pallas hängt von dir den Kiel im Tempel auf.