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Lob der Poesie von

Lob der Poesie

Beliebter Zeitvertreib, o schöne Dichter-Kunst!
Du hast mein Hertz geraubt, und wirst auch meine Gunst,
So lange, bis mein Blut in Adern wird erkalten,
Vor aller andern Lust, ich schwehr es dir, behalten.
Wann ich alleine bin, und sich mein Leib verschließt,
So wird mir doch durch dich die Einsamkeit versüßt,
Dieweil dein holder Winck durch tausend artge Sachen,
Mir lange Tage kan zu kurtzen Stunden machen.
Nimmt Unmuth und Verdruß den Kopf mir manchmahl ein,
Weil man nicht allemahl kan froh und muthig seyn,
So weiß Calliope mir tröstlich zuzusprechen,
Die meiner Grillen Dunst und Nebel sucht zu brechen.
Flennt Momus seinen Zahn und treibt mit mir sein Spiel,
So lach ich selbgen aus, ergreiffe meinen Kiel,
Und zeige, daß man mir nur Splittergen will weisen,
Wie groß die Balcken offt in seinen Augen heissen.
Winckt mir denn Cypripor, der, wenn man es nicht denckt,
Sich, nach der Fliegen Art, in unsre Zimmer drängt,
So such ich diesen Gast bey höhnischen Gebehrden
Durch Einwurff und Beweiß im Schreiben loß zu werden.
Mein Phöbus wird mir doch, es giebts der Augenschein,
Weit angenehmer, als der kleine Knabe seyn,
Wer bey den Musen will bemüht und embsig sitzen,
Der läst nach Männern nicht vom Buch das Auge blitzen.
Und stößt mir Kranckheit zu, bist du der Medicus,
Der die Recepte schreibt, und mich curiren muß.
Wer wolte nicht daher mit mir zugleich bekennen,
Du wärst was reitzendes, beliebte Kunst, zu nennen.