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Antworts-Schreiben Des Seladons von

Antworts-Schreiben Des Seladons

Geliebtes Engels-Kind, dein letzt-geschriebner Brief
Kam um dieselbe Zeit, als man zur Tafel rief;
Ich ließ das Essen stehn, zu dem ich mich schon schickte,
Dieweil mein Auge was in deinem Blatt erblickte,
Das meine Seel und Geist weit besser sättgen kan,
Als das so schmackbare und süß-beschriebne Man;
Denn die Versicherung, die mir dein Kiel gegeben,
Heist eine Kost, von der ich gantz allein kan leben.
Nur dieses schmertzet mich und mehret meine Noth,
Wormit auch ausserdem mir dein Entfernen droht,
Daß dich der Zweifel will auf die Gedancken treiben,
Ob ich in frembder Lufft getreu dir würde bleiben.
Ists möglich? daß dir auch hiervon nur träumen mag,
Dergleichen Argwohn schreckt mehr als ein Donnerschlag,
Mein Engel, meine Treu wird nun und nimmer wancken,
Ich, ich, ich opffre dir Seel, Sinnen und Gedancken.
Du bist mein Götzen-Bild, mein Weyrauch brennt vor dich,
Dein Knecht ist höchst-bestürtzt, er kränckt und grämet sich,
Ich muß den Tauben gleich nach dir, Entfernte, girren,
Wenn Einsamkeit mich heißt bald da bald dorthin irren.
Die Sehnsucht ruffet dich, und trifft dich doch nicht an;
Wer ist, der meine Pein und Schmertzen schiltern kan?
Wenn sich das Auge schließt, so küß ich dich in Schlummer,
Erwach ich von der Lust, o was vor Schmertz und Kummer
Befällt mein armes Hertz! weil diß kein Labsal ist,
Wenn man den Schatten faßt, den Cörper aber mißt.
Weckt mich Aurorens Schein, so bitt ich um Erbarmen
Den Himmel! daß ich dich, ach, balde möcht umarmen.
Und rückt des Hespers Glantz zur Abend-Zeit heran,
So streb ich noch darnach, ob ich dich haben kan.
Hieraus so schliesse nun mein sehnliches Verlangen,
Mich reitzt kein schön Gesicht, kein Mund wo Rosen prangen,
Kein Auge, das mit Gluth und Flammen um sich blitzt,
Weil mir dein Contrefey in Seel und Hertzen sitzt,
Und deine Seltenheit, die man bewundernd siehet,
Von andern Frauenvolck mein eckles Auge ziehet.
Mein Wort, das ich dir gab, war nicht von Porcellan,
Und zarten Spiegel-Glaß, ich dencke noch daran,
Und werde nicht so leicht mit Schwur und Eyden spielen,
Der Himmel möchte sonst an mir die Rache kühlen.
Verlaß dich sicher drauf, und zweiffle gar nicht mehr,
Als ob nicht Seladon bereits der deine wär.
Ich werd indeß so viel, als immer möglich, eilen,
Kuß, Schertze, Blicke, Hand, und Hertz mit dir zu theilen.
Ich ziehe mit Triumph im Geist bey dir schon ein,
O könt es heute noch, Geliebte, möglich seyn!
Wer weiß, wie balde mir die Hofnung läst versprechen,
Daß ich, mein Engel, kan Vergnügungs-Rosen brechen,
Wenn sich von ohngefehr ein frembder Gärtner find,
So sage, daß vor ihn die Dörner übrig sind;
Wiewohl kein Argwohn mich auf Sucht und Eifer treibet,
Weil deiner Tugend Strahl mir stets vor Augen bleibet.