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Antwort-Schreiben An Orontes von

Antwort-Schreiben An Orontes

Du kanst ohn alle Furcht und sonder Zagen dichten,
Wie könt ich böse seyn, auf das, was mich ergötzt,
Wer wird sich, werther Freund, nach Tage-Zeiten richten,
Dein Blat, so offt es kommt, wird immer hochgeschätzt.
Erbrech ich einen Brief von so geschickten Händen,
So wünsch ich, könt ich doch den Schreiber selber sehn;
Jedoch das Blat scheint sich nach meinen Wunsch zu wenden,
Weil solches, wie du schreibst, in kurtzen wird geschehn.
Was könte schöners seyn? ich hoff auf mein Vergnügen,
Die Sayten sind bereits schon zum Concert gestimmt.
O daß du heute schon vermöchtest herzufliegen!
Weil unser Musen-Chor nichts eher unternimmt.
Beschleunge deinen Lauf, verkürtze mein Verlangen,
Das liebe Noten-Volck vergiß bey Leibe nicht.
Kan ich mit deiner Schaar, mein Orpheus, dich empfangen,
So weiß ich, daß mir wohl bey solchen Gruß geschicht.
Es wird dich freylich zwar die Zunfft nicht gerne missen,
Die, wie du selber schreibst, dir stets zur Seiten ist,
Denn alle Welt will dich in ihren Umgang wissen,
Dieweil du so beliebt und angenehme bist.
Doch unser Leipzig wünscht, wann ich die Wahrheit sage,
Sich, einmahl wiederum, Orontes, dich zu sehn.
Die andern haben dich um sich fast alle Tage;
Hier aber pfleget es gar sparsam zu geschehn.
Nicht frage, wie ich mir die Zeit vorjetzt paßire?
Music und Poesie verbleibet meine Lust;
Wann ich, so schlecht es klingt, mein Saytenspiel nur rühre,
So jag ich allen Schmertz und Gram aus Sinn und Brust.
Doch meyne nicht, daß ich dir suche nachzuklettern,
Du sitzest schon so hoch, als man kaum sehen kan.
Ich stehe, leider! noch bey leer und kahlen Blättern,
Da deine Blumen sich bereits hervor gethan.
Die flüchtge Zeit will mir die Feder niederdrücken /
In Hoffnung, daß ich dich, wie du versprochen hast,
Einmahl auch wiederum persönlich werd erblicken,
Beflügle deinen Lauf, komm längst gewünschter Gast!