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Antworts-Schreiben an Sertonio von

Antworts-Schreiben an Sertonio

Ists möglich? kanst du noch an unsre Linden dencken,
Ich wünschte mir mit dir dich wieder hier zu sehn,
Das Schicksal läßt sich nicht nach unsern Willen lencken,
So weh uns offtermahls darbey pflegt zu geschehn.
Mein! Wie bezeugst du dich bey dem so strengen Orden,
Der deinen Hoffnungs-Kahn durch wilde Fluthen treibt,
Weil du, du schreibst es selbst, ein Geistlicher geworden.
Wohl dir! Wofern dein Sinn und Schluß darbey verbleibt.
Du kanst in solchen Stand deswegen doch noch schertzen,
Dergleichen Schreibens-Art verdamt euch leichte nicht;
Es klebt doch immer was noch an der Männer Hertzen,
Ob gleich die Heiligkeit von aussen wiederspricht.
Wir Menschen sollen uns als Nächsten alle lieben,
Und also hindert dich gar nicht dein Closter-Stand.
Vielleicht ist von der Welt dir noch was übrig blieben,
Dein artger Spaß und Schertz ist mir gar wohl bekandt.
Indessen bin ich dir vor deinen Wunsch verbunden,
Den deine Feder mir zum neuen Jahr geweyht.
Ich wünsche dir dafür so viel vergnügte Stunden,
Als Flora hier und dar schon Blumen ausgestreut.
Was neues weiß ich dir vor dißmahl nicht zu schreiben,
Denn es paßiret nichts, das meldens würdig wär,
Die Welt lästs immer noch beym alten Conto bleiben,
Ich gebe, wie du weist, Histörgen nicht Gehör.
Du fragst, ob mich noch nicht ein Zauber-Blick gefangen?
Ich lache, daß man mir von solchen Sachen schreibt,
Du weist ja, daß ich stets des Amors Strick entgangen,
Und daß mein Hertze frey und ungebunden bleibt.
Ein Blick kan meinen Geist nicht, wie man denckt, verführen,
Ein Seuffzer legt mir nicht gleich Band und Fesseln an,
Mein Auge läst der Welt nie Brand und Feuer spühren,
Und Amor, welchen ich nicht um mich leiden kan,
Flieht, wann er mich erblickt, er ist mir nicht gewogen,
Sein sonst so mächtiges Geschoß ist ohne Krafft.
Du weist ja, eh du noch von uns hier weggezogen,
War diese Vanität bey mir längst abgeschafft.
Inzwischen lebe wohl und schreibe mir bald wieder.
Hör ich, daß Hymen dir bald läst den Braut-Crantz weyhn,
So will ich, haßt du nicht aus Eckel meine Lieder,
Mit tausend Freuden dir ein Hochzeit-Carmen streun.