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Crito an die Magdalis von

Crito an die Magdalis

Geliebte Magdalis, Annehmlichste der Erden,
Verschmähe nicht mein Blat, das dir die Hände küst.
Ich weiß, daß du nicht kanst entrüstet drüber werden
Weil jeder, der dich sieht, nicht mehr sein eigen ist.
Betrachtet man an dir die Rosen-schwangern Wangen,
Der Lippen Purpur-Schein, der Augen Majestät,
So wird ein Rieß und Held gefesselt und gefangen;
Was Wunder? wann es so dem schwachen Crito geht.
Mein Hertze liegt so hart, als Fuß und Hand, geschlossen,
Mich drückt ein hartes Joch, die Freyheit ist dahin.
Dein Strahl ist gar zu tieff in Marck und Blut geschossen,
Ich geh als wie in Traum, und weiß nicht wo ich bin.
Dein Wesen, das man muß gar unvergleichlich nennen,
Und deine Seltenheit hat mich so starck gerührt,
Daß man, ich kan es selbst nicht sonder Scham bekennen,
Gar nichts mehr menschliches an deinen Knecht verspührt.
Hast du nun, Engels-Kind, mir alles diß entrissen,
Was uns zum Menschen macht, so will ich auch nunmehr
Nichts mehr vom Uberrest, der mir verblieben, wissen;
Nimm alles vollends hin und gib mir nur Gehör.
Ich schwöre, daß mein Hertz von dir wird nimmer wancken,
Dein Bild bleibt meiner Brust auf ewig eingeprägt,
Denn Crito opfert dir, Geist, Sinnen, und Gedancken,
So lange biß man ihn zu den Erblaßten legt.
Du kanst nicht, Magdalis, auf mein Beginnen fluchen,
Weil selbiges von nichts, als deiner Schönheit stammt,
Und wirst vorhero wohl den Fehler untersuchen,
Eh mich dein schöner Mund aus Ungedult verdammt.
Mein Geist muß zwischen Furcht und Hofnung leider! schweben,
Mein Engel, schreibe doch, ertheile mir Bericht,
Was ich mir Armen soll hierauf zur Antwort geben,
Und ob mir Magdalis ein gnädig Urtheil spricht.
Erschreck mich, Schönste, nicht durch widriges Bezeigen,
Denn soltst du gegen mich etwan tyrannisch seyn,
So wirst du deinen Knecht mehr als empfindlich beugen,
Du stürtzest vor der Zeit mich in die Grufft hinein.
Die Grausamkeit kan nicht so schöne Seelen kleiden,
Die Großmuth heist vor sie die schönste Liberey.
Laß deinen Crito nicht so lange Marter leiden,
Ach! mache selbigen von Band und Fesseln frey.
Es hat zwar die Natur dich, als ein Meister-Stücke,
Aus zarten Marmor-Stein und Elfenbein geschnitzt;
Doch glaub ich, daß ein Hertz, und diß zu meinen Glücke,
In deiner Schwahnen-Brust von zarten Fleische sitzt.
Verwirrte Zeilen geht, schmiegt euch zu ihren Füssen,
Um die sich Crito schon aus Demuth wind und flicht;
Die Sehnsucht heisset mich, erlesner Engel, schliessen,
Ich schliesse zwar den Brief, doch meine Hoffnung nicht.