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Magdalis Antwort an Crito von

Magdalis Antwort an Crito

Ich lache, wenn man will von Lieb- und Sterben reden,
Drum kömmt mir auch dein Blat recht frembd und artig für.
Die Liebe wird so leicht wohl keinen Menschen töden,
Es ist ein falscher Wahn, ach! Crito, glaub es mir.
Dein Kiel versteht die Kunst dem Frauen-Volck zu schmeicheln,
Er hat ein Probe-Stück bey mir auch abgelegt;
Doch wir verstehen auch der Männer süsses Heucheln,
Wir wissen lange schon, wie viel der Seiger schlägt.
Du setzest, schlauer Freund, mich in der Schönen Orden
Und dichtest mir so viel von Treflichkeiten an,
Daß ich, indem ichs las, recht schamroth bin geworden,
Weil ich die Schmeicheley nicht wohl vertragen kan.
Jedoch dadurch läst sich mein Hertze gar nicht beugen,
Ich achte keine Lieb und auch kein Schmeicheln nicht,
Denn wisse, daß durch dein so zärtliches Bezeigen,
Der allergröste Tort mir in der That geschicht.
Die Klagen, welche mich läst deine Feder lesen,
Als hätt ich, Crito, dir die Fesseln angelegt,
Seynd ein erdichtetes und falsch-verstelltes Wesen,
Das Morpheus dir vielleicht in Traum hat eingeprägt.
Mein! Warum solt ich dich in Band und Fesseln schlagen,
Du hast ja nichts gethan, so viel mir wissend ist;
Ein Missethäter muß nur solch Geschmeide tragen,
In deren Rollen du doch nicht zu setzen bist.
Dein Leiden soll von mir und meiner Schönheit stammen,
Du thust, als hätt ich dich in Gluth und Brand gesetzt,
Ich weiß kein Wort davon, weil niemals unsre Flammen,
Die der Camin und Heerd erregt, ein Hertz verletzt.
Es sehnet sich dein Geist das Urtheil anzuhören,
Das meine Feder dir bey deinen Vortrag spricht;
Allein auch dieses will die Ohnmacht mir verwehren,
Ich bin, du weist es ja, kein Rechts-Gelahrter nicht.
Doch kan ich dir so viel nur in Vertrauen sagen,
Daß die, so dieses schreibt, ein Feind vom Lieben heist,
Sie wird sich mit dem Gold der edlen Freyheit tragen,
So lange sich noch Blut in ihren Adern weist.
Man hat die Liebe mir recht furchtbar vorgerissen,
Cupido solte blind, bedenck es Crito, seyn;
Wir könten, liebten wir, nicht unser Unglück wissen,
Wie offtermahls bricht nicht ein Blinder Hals und Bein.
Nein, solchem Unfall muß ein kluger Mensch entgehen,
Entreisse ja dein Hertz des Amors Netz und Strick;
Und daß du besser kanst auf Hut und Wache stehen,
So schick ich selbiges dir wiederum zurück.