Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Auf die Unterkehle der Celinde von

Auf die Unterkehle der Celinde

Ein Hauß, auf welches man drey Feuer-Mauren bauet,
Heist mehr als zu gemein, weil man es täglich schauet,
Und wer sein Auge läst nach Bauer-Stiefeln gehn,
Der sieht an selbgen mehr als eine Falte stehn.
Drum weiß ich würklich nicht, woher es doch geschehen,
Daß wir an einen Kinn drey Unterkehlen sehen.
Wann sonsten die Natur an ihre Werckstatt trit,
So theilt sie insgemein nicht mehr als eine mit.
Du bist die einge nur, so diesen Schatz besitzet;
Warum? weil die Natur dich obenhin geschnitzet,
Und nicht viel artiges aus deinen Cörper lacht,
Hat sie in diesen Stück den Mangel eingebracht.
Amando läufft indeß nach dir zu vielen Stunden,
Und meynt, er hätt an dir die Venus selbst gefunden.
Was hilfft ihn aber diß, wann er dich ängstlich sucht?
Weil ihm verbothen ist der Kern der Liebes-Frucht.
Doch dein Galan wird nicht nach leeren Schalen rennen,
Du wirst ihm, denck ich wol, etwas zu naschen gönnen.
Er ist, dem Ansehn nach, kein tummer Coridon,
Mir ist, als trüg er gnug Genuß und Nipß davon.
Ihr werdet warlich euch darzu nicht leuchten lassen,
Ein schlau verliebtes Paar wird Licht und Zeugen hassen;
Und also macht ihrs auch, weil Eulen insgemein,
Wenn sie zusammen gehn, im Finstern wollen seyn.