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Auf die heßlich verliebte Lisette von

Auf die heßlich verliebte Lisette

Lisettgen hatte sich geputzt gleich einem Engel,
Ob gleich ihr Angesicht voll ungezehlter Mängel.
Sie gab sich trefflich Air, trug ihre Brust empor,
Biß stets das Mäulgen ein und schwatzte ieden vor
Wie angenehm es wär, wenn ein Paar recht Verliebten
Sich in geheimer Lust und Löffeln fleißig übten.
Als sie bey allen nun ihr Krämgen angebracht,
So war doch keiner nicht, der hätte nachgedacht.
Was ihre Meynung hieß; der Streich war mißgelungen,
Weil sie nicht aus den Thon verliebter Thoren sungen.
Das arme Wayßgen stand voll Schmertz und Kümmernüß,
Weil sich kein einiger in Sprenckel fangen ließ:
Sie sang in ihren Sinn nur eitel Klage-Lieder,
Und gienge höchst bestürtzt das Zimmer auf und nieder
Man sah mehr als zu wohl, daß sie die Liebe sch--
Denn niemand heilt ihr Hertz und brachte Pflaster vor.
Zu Lindrung ihren Schmertz und Kühlung solcher Flammen,
Fieng sie das Manns-Volck an, aus Rache, zu verdammen.
Der Eyfer jagt ihr gleich hierauf den Vorsatz ein,
Sie wolt ins erste Stift, wo nichts als Nonnen seyn.
Durch dieses meynte sie der Männer Hertz zu beugen;
Allein man sahe sie, wie vor, noch alle schweigen.
Es wolte keiner dran, so starck die Zunfft auch hieß,
Der, wie die Flieg am Hartz, die Freyheit kleben ließ.
Drum gab sie gute Nacht, und eilte nach der Kammer,
Die offters Zeuge heist von ihren Liebes-Jammer,
Darinne schläfft sie noch in ihrer Bangigkeit,
Will iemand Tröster seyn, so ist es hohe Zeit,
Die Thränen rollen ihr auf den verwelckten Wangen,
Sie weiß bey dieser Noth nichts weiter anzufangen,
Sie denckt auf ihren Todt, auf Morden, Stahl und Gifft,
Weil sie kein gültig Looß in Amors Glücks-Topff trifft.
Was wird man, thut sie diß, wohl auf ihr Grabmahl ätzen?
Mir ist, als säh ich schon den Momus dieses setzen:
Bewundert nicht, was dort Lucretia verricht,
Denn die genoß noch was, Lisettgen aber nicht.