Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Auf die scheinheilige Lisette von

Auf die scheinheilige Lisette

Lisettgen sah man letzt in heisser Andacht beten,
Und als Musophilus ihr auf den Rock getreten,
So fieng das fromme Kind ein grosses Lermen an,
Als hätt er selbiges aus Schertz und Spott gethan.
Du wirst, versetzt er drauff, dich nicht deswegen zancken,
Bist du, Lisette, so voll heiliger Gedancken,
Ich schwöre, daß es nicht aus Vorsatz ist geschehn.
Mich jammert, daß ich dich soll so entrüstet sehn.
Weiß deine Heiligkeit so meisterlich zu fluchen,
Dieß würde keiner nicht in deinen Minen suchen!
Weil längst der Augen-Schein mir zu verstehen gab,
Du bißt den Heiligen die Zähen würcklich ab.
Doch dein verstelltes Thun wird mich nicht leicht bethören,
Weil man kan hier und dar dergleichen Vögel hören.
Lisettgen, bete nur und lieb incognito,
Die deines gleichen sind, die machens alle so.
Du bist so böse nicht, als du dich pflegst zu stellen,
Ich kehre warlich mich nicht an dein falsches Bellen.
Dein Hertze meynt vielleicht darbey das Gegentheil,
Es wäre, spricht das Volck, zum Kauff dir alles feil.