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Auf das Absterben Ihrer Hochfürstl. Durchl. Frauen, Frauen Friderica Elisabeth ... von

7. Ode

Auf das Absterben Ihrer Hochfürstl. Durchl. Frauen, Frauen Friderica Elisabeth, verwittweten Herzogin von Sachsen Weissenfels.

Nein, Musen! laßt nur dieses mal
Mich nicht den matten Kiel ergreifen,
Ich weis, ihr werdet meine Quaal
Und meinen Schmerz unfehlbar häufen.
Den Schmerz, den meine Seele spührt,
Und der mich so empfindlich rührt,
Weil eine Post, die man kaum glaubet,
Mir und auch unsrer ganzen Stadt,
Die sie zugleich erschüttert hat,
Für Schrecken, Muth und Geist geraubet.

Ihr wißt, wie willig und bereit,
So schlecht es auch der Welt geklungen,
Auf euren Wink ich allezeit
Sonst in mein Seitenspiel gesungen.
Heut aber laßt mich nur in Ruh,
Und muthet mir nicht weiter zu,
Daß ich bey allgemeinen Klagen
Zu einer grossen Fürstinn Gruft,
Zu der ihr mich so eifrig ruft,
Soll meine heisre Flöte tragen.

Wiewohl ich muß euch selbst gestehn,
Wenn ich die Pflicht itzt unterliesse,
Würd ich nicht eurem Zorn entgehn,
Weil er mein Schweigen strafbar hiesse.
Der Schmerz hebt bey der Thränen Lauf
Doch nicht die wahre Ehrfurcht auf;
Wir dürfen traurige Cypressen,
So gern wir sonst auf unserm Hayn
Mit Lust die Lorberblätter streun,
Dabey zu sammlen nicht vergessen.

Du wirst den letzten Dienst von mir,
Mehr, als gerecht, O, Fürstin nennen;
O! möchte doch mein Opfer Dir
Bis auf die spätsten Zeiten brennen!
Ach Schicksal! dessen hartem Schluß
Ich mich itzt unterwerfen muß!
Was ist betrübters zu erdenken,
Als daß die Fürstin uns verläßt!
O Kummer der die Seele preßt!
Was reicht wohl an so herbes Kränken!

Wie? bleicht der Tod den Purpur schon,
Der jüngst noch unsre Linden zierte?
Steigt die so schnell vom Fürstenthron,
Die aller Herz und Augen rührte!
Soll ich, da dieser Riß geschehn,
Die Herzogin nicht wieder sehn,
Die so viel Huld und Gnadenzeichen
Mir und auch andern blicken ließ?
Und deren Trefflichkeit gewiß
Nichts auf der Welt steht zu vergleichen.

O Jammer! daß das Schicksal nicht
Die Götter dieser Welt verschonet,
Und über die den Stab auch bricht,
In welchen so viel Tugend wohnet.
Es sollte, dürfte ja der Tod
Der allem Fleisch mit Würgen droht,
Dies ihrer Hoheit nicht verstatten;
Doch billig ihnen ganz allein
Ein solches Alter eigen seyn,
Als dort die ersten Menschen hatten.

Dein neues Beyspiel, leider! muß
Die Welt, verstirnte Fürstin, lehren,
Es sey der festgesetzte Schluß
Durch unsern Wunsch nicht umzukehren.
Drum klaget man itzt überall
Bey dem so unverhofften Fall,
Daß Dir bey noch so frühen Zeiten
Des Himmels allzustrenge Hand
Aus Deinem Fürstlichen Gewand
Das Sterbekleid will zubereiten.

Hier wird in Sachsens Fürstengruft
Ein solches Wunderbild geleget,
Dabey die Tugend kläglich ruft,
Daß man es schon von hinnen träget.
Kommt! die ihr euch erhaben zeigt,
Und aus der Fürstin Lenden steigt,
Bespiegelt euch an ihren Gaben:
Stellt euch ihr edles Leben dar,
Nehmt die Vollkommenheiten wahr,
Die wir so oft bewundert haben.

Ihr Geist den Sie von Jugend auf
Dem Himmel recht inbrünstig weyhte,
Sah unabläßig nur darauf,
Wie Sie der Andacht Weyrauch streute.
Er ließ die Herrlichkeit der Welt,
Die viele doch gefesselt hält,
Sich nicht verblenden noch bestricken:
Er bliebe jenem stets getreu,
Ob gleich ihr hoher Stand dabey
Sie hieß zugleich auf diese blicken.

Allein was hilft uns alles dies,
Daß wir an Werth und Hoheit denken?
So viel, daß wir uns ganz gewiß
Bey dem Verlust noch länger kränken.
Doch, was Verlust? Ihr hoher Glanz
Verbirget sich mit ihr nicht ganz,
Die Nachwelt wird ihn noch einst spüren:
Und hohe Frauen, welche man
Wie Sie, Durchlauchtig, nennen kann
Wird er zur Tugend Tempel führen.

Ihr, welche Pflicht, und Ehrfurcht ruft,
Ein ewig Dankmal aufzuführen,
Bemühet euch nicht, ihre Gruft
Mit hellen Ampeln auszuzieren,
Denn ihrer Tugend lichter Schein
Muß mehr als tausend Lampen seyn,
Gnug; wenn die Nachwelt noch wird lesen,
Sie sey durch ihre Trefflichkeit
Ein Wunder, nicht nur ihrer Zeit
Nein, auch der folgenden gewesen.