Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Der Sieg über die Neider. von

15. Ode

Der Sieg über die Neider.

Was ist es, misvergnügter Geist,
Das deinen Kummer täglich mehret,
Und die Zufriedenheit entreißt,
Und deiner Seelen Ruhe störet?
Hältst du das Haupt darum gestützt,
Weil Haß und Neid die Pfeile spitzt?
Wie? wird dein Geist dadurch gerühret?
Ach! fürchte nicht dergleichen Brut,
Wo bleibt der starke Heldenmuth,
Der die gesetzten Seelen zieret?

Ists möglich, das der schele Neid,
Vor dem nur schwache Geister zittern,
Dir ebenfals wie jenen dräut,
Und deine Großmuth, will erschüttern?
Bethörter! gieb die Sorgen an,
Weil Zorn und Misgunst niemals kann
Der Jugend reines Kleid beflecken.
Sucht er auch unsre Fehler auf,
So geben wir nicht Achtung drauf:
Sein Schmähen muß uns nicht erschrecken.

Auf! rüste dich, bestrittner Geist!
Willst du ihm denn die Freude gönnen,
Daß er dich gar zu Boden schmeißt?
Soll man dich da wohl weise nennen?
So wenig als der Wellen Wuth
Den harten Felsen Schaden thut,
So stark sie vielmals toben, krachen,
So wenig kann die Schlangenart,
Die sich mit Zerbers Rachen paart,
Ein männlich Herze schüchtern machen.

Wer blöd und niederträchtig ist,
Und sich nicht aus dem Staub will wagen,
Läßt sich nur, weil er sich vergißt,
Von diesem Feind im Harnisch jagen,
Er bebt, so bald der hagre Geist
Ihm seine gelben Zähne weist,
Und sucht aus Furcht sich zu verstecken,
Ein Weiser aber hört in Ruh
Der Drohung ganz gelassen zu,
Wenn ihn die Misgunst meynt zu schrecken.

Warum? dies dürre Knochenbild
Giebt selber schimpflich zu verstehen,
Wie wenig es bey denen gilt,
Die sich durch Tugenden erhöhen.
Je heftiger er auf sie schilt,
Und seinen Muth mit Lästern kühlt,
Je mehr verräth er seine Blösse;
Er fände nie Gelegenheit,
Wofern, was er mit Gift bestreut,
Er selber in der That besässe.

Die Brust worinnen Klugheit wohnt,
Wird still und unempfindlich bleiben,
Wenn gleich der Neid, der nichts verschont,
Sich sucht an selbiger zu reiben.
Des Weisen Herze muß aus Stein,
Aus Marmor selbst gebildet seyn,
Wovon die Pfeile rückwerts prallen.
So viel er deren auch erblickt,
So steht er dennoch unverrückt,
Und sieht sie kraftlos niederfallen.

Bespiegle dich, und stelle dir
Der alten Weisen edles Wesen
Mein Geist! zum steten Muster für;
Ihr Heldenmuth war auserlesen.
Sie zeigten, wie vernünftig man
Durch Großmuth triumphiren kann;
Wie man den Neid muß schamroth machen,
Wenn wir bey seinem Fluch und Gift
Der uns zwar droht, doch niemals trifft,
Gelassen und verächtlich lachen.

Ein Weiser Cato regt sich nicht.
So stark ihn auch die Feinde schmähen.
Hör nur, was hier ein Heyde spricht:
Er meynt, ihm wäre nichts geschehen.
Sieht Socrates mit hohem Sinn
Nicht ruhig nach der Bühne hin,
Wo Aristophanes im Spielen
Die Tugend, und in der auch ihn
Recht spöttisch suchte durchzuziehn,
Um seinen Muth an ihm zu kühlen?

Ihr Helden, die ihr jenes Feld
Wo Mavors seine Schaaren zehlet,
Und sie zum Kampf und Fechten stellt,
Zu eurer Ehrenbahn erwehlet;
Die ihr das Schlachtschwerdt muthig schwingt,
Wie Löwen in die Flügel dringt,
Der Feinde Heer zum Fliehen treibet,
Und wenn der meiste Theil gestreckt,
Den Stahl nicht eher eingesteckt,
Als bis die Wahlstatt euch verbleibet.

Ihr siegt, und seyd der Lorbern wehrt,
Man muß sie eurer Scheitel gönnen.
Allein, der Sieg, den euer Schwerdt
Erhält, ist nicht so groß zu nennen.
Der ists, wo man sich selbst besiegt;
Den Neid durch Großmuth überwiegt;
Und ihn ganz still mit Fesseln bindet;
Dies ist der allerschönste Zwang,
Wodurch man, wagt er einen Gang,
Ihn stürzt, und tapfer überwindet.

Tobt, Neider! lästert, flucht, und schreyt,
Verdoppelt Galle, Gift, und Geifer:
Wenn ihr gesetzten Seelen dräut,
So lachen sie zu eurem Eifer.
Sie fühlen euren Stachel nicht,
Sie sehn euch munter ins Gesicht
Bey euren hönischen Geberden.
Wißt, daß ein Weiser gar nicht kann,
Und fielt ihr ihn auch rasend an,
Beleidigt und geschmähet werden.