Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Die Eifersucht. von

18. Ode

Die Eifersucht.

Vertheidigt euch, wie ihr nur könnt,
Zur Eifersucht gewöhnte Geister.
Eur Aug und Sinn ist doch verblendt,
Ihr seyd nicht von euch selbsten Meister.
Wie? laßt ihr euch ein rauschend Blat
In Furcht und in Bewegung jagen?
Und wenn sichs kaum gereget hat,
So wollet ihr schon gar verzagen?

Schämt euch, die Welt lacht eurer nur,
Und spricht: Es sey ihr nichts verhaßter,
Als eine solche Creatur,
Ein Knecht von diesem schnöden Laster.
Warum? der Eifer, der auch kann
Den schönsten Ganymed verstellen,
Macht, schaut man euch dabey nur an,
Euch zu den Furien der Höllen.

Verhüllet dieses Laster nicht
Mit einem Vorhang zarter Liebe;
Denn stellet man es an das Licht,
So sinds des Argwohns schwarze Triebe.
Ihr meynt, wenn ihr in Spiegel blickt,
Als wüchs euch was aus eurer Stirne;
Die Phantasie die euch berückt,
Erregt dies Blendwerk im Gehirne.

Der Wahn betrügt euch allzusehr,
Auf dessen seichten Grund ihr bauet,
Der Argwohn siehet immer mehr,
Als Janus mit vier Augen schauet.
Und dennoch fehlt ihr insgemein,
So scharf ihr hier und dahin blitzet,
Weil euch nur bloß der falsche Schein
Von des Actäons Kopf erhitzet.

Quält euch doch nicht durch solche Sucht,
Und schonet eures armen Lebens.
Jagt alle Sorgen in die Flucht,
Denn sie sind wahrlich ganz vergebens.
Ihr freßt euch selber vor Verdruß;
Das Herz, wie dort mit scharfen Zungen
Die Leber jenes Tityus
Von Plutons Geyern ward verschlungen.

Seht mir nur diesen Kranken an,
Der einem blossen Schatten gleichet;
Und kaum noch Athem holen kann;
Hört, wie er krächzt, wie stark er keuchet.
Was ists, das ihn so mürbe macht,
Und die Gestalt ganz umgekehret?
Die Eyfersucht hat Tag und Nacht
Ihm Mark und Kraft und Blut verzehret.

Und warum nährt er seine Wuth,
Und kürzet sich sein junges Leben?
Denn seiner Phyllis redlich Blut
Kann wohl hierzu nicht Anlaß geben.
Was bläst ihm denn den Eifer ein?
Nur dies; sie weis in allen Fällen
Und gegen jeden insgemein
Sich höflich und beliebt zu stellen.

Hier stehet ein verliebter Tropf
In tausendfachen Furcht und Sorgen,
Er setzt sich Grillen in den Kopf,
Und sinnt vom Abend biß zum Morgen.
Doch weil er Hüter ausgestellt,
Der Schönen Zimmer zu bewachen,
So kann kein Mars der ihr gefällt,
Ihn, wie dort den Vulcan verlachen.

Schaut, wie ein andrer lauscht und spürt,
So oft er, doch mit schwerem Herzen,
Sein Weib in fremde Reyhen führt;
Wagt euch ja nicht mit ihr zu scherzen.
Er sucht sie sonst mit strenger Hand
In einen Keficht einzuschliessen,
Dies bringt ihn schon in Zorn und Brand,
Wenn man will seine Phyllis grüssen.

Der Drache weicht nicht von dem Vließ,
Hier muß ein dreister Jason fliehen;
In Zukunft wird er ganz gewiß
Gar eine Decke vor sie ziehen.
Betrübte Phyllis! die allhier
Das Schicksal gar zu hart will betten!
Die Welt erblickt fürwahr in dir
Andromeden in Band und Ketten.

Setzt nur bey selbst gehäufter Quaal
In euren Kopf euch Falkenaugen,
Borgt von den Luchsen Blick und Strahl,
Die Aufsicht wird hier wenig taugen.
Wohnt einer Frau nicht Tugend bey
So wird sie doch nach andern blicken,
Und bey versprochner Lieb und Treu
Dem Fremden Händ und Lippen drücken.

Kann es dem Argus, der zugleich
Doch hundert Augen hegte, fehlen,
Indem er durch Mercurens Streich,
Sich die vertraute Kuh ließ stehlen;
Elende Wächter! ach wie bald
Wird euch nicht die Geliebte blenden;
Reißt ihr die Wollust mit Gewalt
Der Tugend Vorschrift aus den Händen.

Ihr eyfert, wo ihr geht und steht,
Und habt euch doch nichts zu befahren.
Seht, wie euch Zorn und Argwohn bleht,
Könnt ihr nicht alles hüten sparen?
Was habt ihr denn zuletzt davon?
Dies, daß ihr Oel ins Feuer giesset,
Und eure Frau dem Warnungsthon
Vor Ekel Herz und Ohr verschliesset.

Gesetzt, ihr bildet es euch ein,
Und findet auch bisweilen Spuren,
Als dräng zu eurer Schmach und Pein
Ein andrer mit in eure Fluren;
Schweigt, werdet ihr bey solchem Spiel
Euch selber denn verachten wollen?
Wer eyfert, schreibt mit eignem Kiel
Sich mit in des Actäons Rollen.