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Da heut das Glück ein Fest der Edlen ** gönnt ... von

22. Ode

Da heut das Glück ein Fest der Edlen ** gönnt,
So schickt Ihr dieses Blat die sich von Ziegler nennt.

Ich habe längst mein Seitenspiel
Mit Vorbedacht von mir geschmissen,
Und, weil es mir nicht mehr gefiel,
Von ihm nichts weiter wollen wissen.
Denn eine schwache Frauenhand
Fühlt nicht das Feur, den heissen Brand,
Der sich in Männeradern reget.
Wir spielen, doch der Thon klingt matt,
Dieweil er nichts von Anmuth hat,
Und weder Geist noch Leben heget.

Allein, die Muse winket mir;
Sie zieht die fast zersprengten Seiten
Aus ihrem Kerker heut herfür,
Und will sie wieder zubereiten;
Sie hilft und stimmt selbst mit daran,
Und flammt mich ganz gewaltig an
Dies mal so Mund als Hand zu zwingen.
Wie? spricht sie, solltst du bey dem Fest,
Das dich das Glück erblicken läßt,
Die holde Freundinn nicht besingen?

Auf! und versäume nicht die Zeit,
Den so vergnügten Tag zu feyren,
An dem die - - höchst erfreut
Will ihrer Jahre Lauf verneuren.
Sie wird von dir stets hochgeschätzt,
Weil dich ihr Umgang so ergetzt,
Der aller Beyfall hier erreichet;
Bring ihr ein aufgewecktes Lied,
Das unsrer - - ähnlich sieht,
Und ihrem muntern Geiste gleichet.

Doch dieses eben ist es auch,
Was mich bey so gestalten Sachen
Will wider meinen alten Brauch,
Geliebte Freundin! furchtsam machen.
Betracht ich Dich, und deinen Geist,
Den man als unvergleichlich preist,
So scheu ich mich Dich abzuschildern.
Dein Conterfey das aller Welt,
Anmuthigste! so wohl gefällt,
Gleicht überhaupt den Tugendbildern.

Woher nähm ich so Geist als Glut,
Den deinigen recht auszudrücken?
Denn was in deiner Seele ruht,
Läßt uns viel feuriges erblicken.
Dein Wesen, das sich uns entdeckt,
Ist stets belebt und aufgeweckt,
Doch auch mit Sittsamkeit verbunden.
Und der so aufgeräumte Sinn
Von dem ich selbst ein Zeuge bin,
Versüsset uns so manche Stunden.

Der holden Minen Freundlichkeit,
Weis aller Huld Dir zu gewinnen.
Die zeigt uns auch zu dieser Zeit
Das Kleeblat dreyer Charitinnen.
Was nur die Damen zieren kann,
Trifft man bey Dir, Geehrte, an.
Dein artiges und freyes Wesen,
Das doch nicht aus den Schranken steigt,
Die uns Vernunft und Wohlstand zeigt,
Läßt uns gar nichts gezwungnes lesen.

Der mehr als herrliche Verstand,
Und Deiner Seelen edle Gaben
Sind allen denen wohl bekannt,
Die Dich das Glück zu kennen haben.
Ja, hört man mit gelaßnem Sinn
Dich angenehme Rednerin,
So kann ein Wort die Herzen binden.
Kurz, die Natur, die Dich gebaut,
Ließ alles, was das Auge schaut,
Erstaunend schön und trefflich finden.

Was wunder? wenn auch Dein Gemahl,
Der Dich in Herz und Arme schliesset,
Wie sonst bey seiner Liebeswahl,
Und itzt die schönste Lust geniesset.
Der Tugend Mund, des Glückes Hand,
Küßt er durch Dich; vergnügtes Band,
Das, wünscht er, niemals mag zerreissen.
Dieweil man das, was ihn ergetzt,
Vor artig, ja vollkommen schätzt,
Und Dich ein Meisterstück muß heissen.

Doch, ich vergehe mich zu weit,
Ich will allhier kein Loblied schreiben.
Ich will nur bey der frohen Zeit
Die Dich und mich vergnüget, bleiben.
Auf! feyre mit erfreuter Brust
Dein Fest in selbst erwünschter Lust,
Geneuß so viel versüßte Stunden,
Als man auf Florens Anmuthsbet,
Das voller schönen Blüthen steht,
Schon Blumen bis anher gefunden.