Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Unverändert in dem Leben ... von

31. Ode

Unverändert in dem Leben,
Unverändert in dem Tod!
Was mir Zeit und Glück wird geben,
Es sey Freude, es sey Noth;
Alles ist mir einerley.
Ich bin immer froh und frey.

Unverändert in den Worten,
Unverändert in der That;
Gegen den an allen Orten,
Welcher meine Freundschaft hat.
Denn ich liebe nicht den Schein,
Falsch und hinterlistig seyn.

Unverändert in der Liebe,
Unverändert bleibt die Lust;
Denn der Ursprung reiner Triebe
Herrschet über Geist und Brust.
Ich verschenke nicht zum Scherz
Meine Freyheit und mein Herz.

Unverändert in dem Leiden,
Unverändert, ist der Schluß;
Wenn man mich will schmähen, neiden,
Weis ich doch nichts von Verdruß.
Denn nichts störet meine Ruh,
Und ich lache noch darzu.

Unverändert in dem Glücke,
Unverändert bleibt mein Sinn;
Bey dem widrigsten Geschicke
Bleib ich immer wie ich bin.
Da verdoppelt sich mein Geist,
Wann er sich dem Schmerz entreißt.

Unverändert in den Sitten,
Unverändert in dem Muth;
Sollt ich um Vergebung bitten,
Wär die Handlung noch so gut?
Wenn ich mir nichts zeigen kann,
Hör ich keinen Tadler an.

Unverändert in Gedanken,
Unverändert muß man seyn;
Denn die Großmuth läßt nicht wanken;
Sie räumt keine Grillen ein.
Ihre Wirkung ist zu schön,
Sie kann sich in nichts vergehn.

Unverändert in dem Hoffen,
Unverändert überhaupt;
Dadurch wird das Ziel getroffen,
Das uns kein Vergnügen raubt.
Nun, ich sage frey heraus:
Dieser Schluß macht alles aus.