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Lob des weiblichen Regimentes. von

34. Ode

Lob des weiblichen Regimentes.

Mich dünkt, ihr irret sehr, die ihr vielleicht aus Neid,
Wo nicht aus Unvernunft, bey Widerspruch und Streit
Den Ruhm und Werth, der sonst pflegt Männer zu erhöhen,
Dem weiblichen Geschlecht nicht auch wollt zugestehen.
Warum erhebet ihr doch jenes Volk so sehr?
Ist hier ein Unterschied? was hat denn jenes mehr?
Weis die Natur mit dem, womit sich jene brüsten,
Nicht dieses Volk so wohl, als jenes auszurüsten.

Stellt zwischen selbigem nur einen Wettstreit an,
Und seht so dann, wer siegt. Verblendter Loredan!
Was suchst du der Natur den Fehler beyzumessen?
Sie hat sich nicht verirrt; sie hat sich nicht vergessen.
Doch hat sie Clälien, der edlen Römerin,
Durch kluge Bildungskraft, den unbewegten Sinn,
Und solch ein Herz, das sich vor Männerleiber schicket,
In ihre zarte Brust zum Wunder eingedrücket.

Verwegne! schmeichelt euch nicht mit dem Wahn zu sehr,
Als wenn das Frauenvolk von schlechterm Zeuge wär.
Der Klugheit Zeichen steht auch mit auf ihrer Stirne,
Ihr Kopf hegt, und vielleicht weit zärtlicher Gehirne.
Bemerkt nur ihre Kraft, Witz, Einsicht Feur und Geist,
Wie richtig die Vernunft im Urtheil fällen schleußt,
Wie lebhaft alles klingt, prüft ihre Macht und Stärke,
Sie zeigen, ists nicht wahr? der Welt oft Wunderwerke.

Wer sinnt wohl etwas aus, das Männern eigen bleibt,
Wozu der Eifer nicht zugleich auch jene treibt?
Wo sieht und spüret man ein Vorrecht, das sie haben?
Ein jeder Theil rühmt sich gleich ausgetheilter Gaben,
Wo man nur Künste zehlt, sich Wissenschaften weyht,
Erblickt man keine doch, wo die Vortrefflichkeit
Des weiblichen Geschlechts sich nicht zugleich mit wiese,
Und man es nicht zugleich so hoch als jene priese.

Apellens Mahlerkunst ist Weibern auch bekannt,
Sie schildern manches Bild mit mehr als netter Hand,
So klug Alcimedon in Kupfer weis zu prägen,
So künstlich sehn wir sie auch Stahl und Nadel regen.
Amphion rühme sich ja nebst dem Orpheus nicht,
Als wär das Seitenspiel vor sie nur zugericht.
Des Frauenzimmers Thon und Kunstgriff wird sie lehren,
Daß diese gleichfalls mit in ihren Chor gehören.

Ihr, ob gleich zarter, Leib scheut dennoch nicht Gefahr,
Sie stellen ihr sich oft so frisch als Männer dar;
Die Jagd, so insgemein kann tapfre Seelen rühren,
Wird auch den schlanken Fuß in ihre Fluren führen.
Menalcas ists nicht nur, der dort so muthig jagt,
Und über Stock und Stein sich in die Wälder wagt.
Die Welt kann heut zu Tag, will nur die Misgunst schweigen,
Noch Töchter hier und dar von Atalanten zeigen.

Kommt, die ihr bis anher von falschem Dunst verblendt,
Das weibliche Geschlecht ein schwaches Werkzeug nennt;
Laßt uns den muntern Blick nach solchen Plätzen lenken,
Allwo wir Männer nur allein zu finden denken.
Mein Griffel, der sich itzt aus seinen Schranken reißt,
Wirft sich zum Führer auf, verdoppelt Schritt und Geist.
Folgt ihm nur sicher nach, und sollt er es auch wagen,
Den halben Kreis der Welt deswegen aus zufragen.

Wo sind wir? wird es doch bey hellem Tage Nacht;
Da schneller Pfeile Zahl den Himmel finster macht.
Hier hat sich Mars gewiß ein Feld zum Streit ersehen,
Seht das Scharmützel an, das dorten wird geschehen.
Meynt ihr, daß alle die, so man gepanzert findt,
Und Bogen führen sieht, nur eitel Helden sind?
Nein; ihr betrügt euch sehr: ihr seht Amazoninnen,
Die streitbaren im Volk, und Scythiens Heldinnen.

Lenkt eure Augen itzt dort nach Auretten hin,
Mit was für Männlichkeit und unerschrocknem Sinn
Fällt sie dem Amurath, der Lesbus in Gedanken
Als Ueberwinder schon besteiget, in die Flanken?
Schaut Bondicäens Herz, das Löwen gleichet, an;
Wo ist ein Männerarm, der tapfrer fechten kann?
Der Einbruch will euch nicht, beschämte Römer glücken;
Wie blutig kann ihr Schwerdt euch hier zurücke schicken!

Was wird man nicht für Muth an Fulvien gewahr,
Wie kriegrisch stellt sie sich dem ganzen Heere dar?
Ihr Degen in der Faust soll Mann und Kämpfer lehren,
Wie man dem Cäsar muß Gewalt und Sieg verwehren.
Seht ihr Marullen nicht auf Wall und Mauren gehn?
Ists möglich, daß sich dies ein Weib mag unterstehn?
Ja, ja, die Heldin will, des Vaters Tod zu rächen,
Der Muselmänner Schwall den gelben Hals zerbrechen.

Mit was für Heldenmuth und echter Tapferkeit
Führt nicht Ladusia den Flügel in den Streit,
Den man ihr anvertraut? Was thürmt sie nicht für Leichen?
So, daß ihr schnaubend Roß vermag kaum auszuweichen.
Gebt acht, wie hitzig dort Camilla schlägt und kämpft,
Wie sie dem Turnus hilft, und seine Feinde dämpft;
O Fall! o harter Fall! Sie sinkt zu bald zur Erden;
Ein harter Küraß muß ihr Sterbebette werden.

Die zarte Frauenhand übt sich nicht nur allein
In Waffen, und will nur Bellonen dienstbar seyn,
Sie kann daneben auch bey ritterlichen Spielen
Mit eingesetztem Speer nach einem Kleinod zielen.
Trug Adelmunda nicht ehmals den Preis und Lohn,
Der vor den Siegenden bestimmet war, davon.
So stark bey dem Turnier ihr Feind auch wollte schäumen,
So must er doch gar bald den engel Sattel räumen.

Meynt ja, Bethörte, nicht, als führte die Natur
Die Männer nur allein auf jene Ehrenspur,
Die uns Minerva weist, die Arbeit zu versüssen.
Wenn gab sie das Gesetz, die Weiber auszuschliessen?
Wer sagt, sie hätte das, was man für Weisheit hält,
Den Männern nur allein zum Eigenthum gestellt?
Gar nicht; Und sollten sie sich nicht vergleichen können,
So will sie Pallas selbst der Frauen Mitgift nennen.

Wird man, schaut selber nach, bey jener Musenschaar,
Die Phöbens Hügel schützt, nur Männer bloß gewahr?
O was erblicken wir zugleich für edle Seelen,
Die alle weiblich sind? Wer kann die Köpfe zehlen?
Hier ist ein ganzes Heer, das sich mit Büchern trägt;
So viel Apollens Hayn auch Lorberreiser hegt,
So dürft er dennoch kahl, und ganz entblättert stehen,
Sollt jegliche gekrönt von ihm zurücke gehen.

Zwey Augen reichen nicht, so weit man um sich schaut.
Hier hat Accursia den Lehrstuhl aufgebaut,
Hört, wie dies kluge Weib von Lernenden umringet,
Bis in das innerste des Rechts der Römer dringet.
Dort zeigt Cassandra sich; sie hebt ihr Haupt empor,
Wie hell und lichte blitzt ihr Purpurhuth hervor,
Der ihr vor ihren Fleiß in der Asträen Orden
In ihrem Padua mit Ruhm zu Theil geworden.

Seht, wie Morata dort versteckt in Büchern sitzt,
Und über den Homer, den sie erläutert, schwitzt.
Wie dichtet Sappho nicht? Wie singt Des Houlieres,
Wie stark, wie feuerreich schreibt de la Sabliere?
Was giebt Roswita sich, was Roscia für Müh?
Das ist die Schurmannin, und dies die Scudery,
Die, sagt, wer sollte dies von einer Hand wohl denken?
Man der gelehrten Welt sieht achtzig Schriften schenken.

Dies hebet ja fürwahr? den wunderlichen Streit
Und Zwist auf einmal auf. Wem fällt die Herrlichkeit.
Des edlen Frauenvolks nicht gleich in das Gesichte?
Der Zweifel flieht numehr, der Vorwurf wird zunichte.
Dies, dünkt mich, wenn man es dem Neid entgegen stellt,
Verherrlicht selbiges gewiß vor aller Welt:
Allein, weit herrlicher wird sich ihr Wesen zeigen,
Wenn wir mit ihnen noch auf höhre Stuffen steigen.

Was für ein Schauplatz zieht sich hier bey unserm Lauf,
Erstaunt ihr nicht mit mir zugleich darüber? auf.
Wie? sieht man noch am Tag die Sterne glänzend flimmern
Wie viele sitzen da, die reich und prächtig schimmern?
Wer sind sie? blendet euch villeicht ein falscher Schein,
Als müsten alles dies nur lauter Prinzen seyn,
Die Stand und hohes Blut, aus welchem sie gebohren,
Zu grossen Königen und Herrschern auserkohren?

Ihr irrt euch in der That; schaut sie mit Ehrfurcht an,
Hier ist, betrogne Schaar, hier ist der Heldenplan,
Wo man die Göttinnen, so Reich und Land beschützen,
So klug als Prinzen sieht auf hohen Thrönen sitzen.
Sie weichen diesen nicht an Großmuth und Verstand;
Denn in dem glänzenden und herrlichen Gewand,
Womit die Majestet die Glieder pflegt zu decken,
Sieht man so wohl, als dort, auch Heldenseelen stecken.

So wichtig alle Welt die Kunst zu herrschen heißt,
So schwer sich in der Hand der starke Scepter weist;
Denn ein Regente muß wahrhaftig Göttergaben,
Von Löwen Stärk und Kraft, und Atlas Schultern haben;
So zeiget dies Geschlecht dennoch der ganzen Welt,
Daß eine Weiberhand, die man für wächsern hält,
Durch Einsicht und Verstand, Witz, Kunst, und kluges Dichten.
Kann Riesenwerke thun, was sie verstehn, verrichten.

Wie manchmal hat sie nicht schon sonst die Welt gelehrt,
Daß ihr der Vorzug doch, und zwar mit Recht gehört?
Muß Frankreichs achter Carl sich nicht vor Frauen schämen,
Die den Regierungsstab in ihre Hände nehmen?
O hätte Drusus dort, den Reich und Land verhöhnt,
Den Regimentsstab nur von selbigen entlehnt!
Und Wenzel würde nicht der träge Kayser heissen,
Man säh das Scepter nicht ihn aus den Händen schmeissen.

Ihr Völker! die ihr auch bey der verwirrten Zeit,
Im weiten Kreis der Welt so hier als dar verstreut,
Euch voller Demuth müßt vor Stab und Scepter beugen,
Den eine holde Frau auf euch zum Schutz will neigen;
Die ihr den güldnen Saum des Fürstenmantels küßt,
Sagt, wie gewogen euch das Himmels Schicksal ist.
Was läßt euch nicht der Schutz von diesen Herrscherinnen
Für Vortheil, Sicherheit, für Lieb und Huld gewinnen?

Wie viele haben nicht, fragt man das Alterthum,
Schon vor bemooster Zeit mit gröstem Preis und Ruhm
Das Ruder ihres Reichs so klug zu lenken wissen,
Daß wir sie wirklich noch bis itzt bewundern müssen?
Wer war Semiramis, die durch der Waffen Macht
Die Grenzen ausgedehnt, ihr Reich empor gebracht,
Und Babylon, die sonst der Städte Fürstin hiesse,
In ungeheure Wäll und Mauren fassen liesse?

Trug dies Sarmatien nicht Ruhm und Vortheil ein,
Daß Amage den Mann, der schläfrig wollte seyn,
Vom Throne muthig riß, und ihn dabey belehrte,
Was zu der Macht Besitz für Eigenschaft gehörte?
Wie weislich schrieb sie nicht Gesetz und Regeln vor?
Wie trieb sie nicht den Feind durch Gegenwehr zu Chor?
Wie tapfer half sie nicht von den gedrohten Ketten
Des wilden Scythenvolks die Chersoneser retten?

Wer weis nicht wie beherzt, und dies viel Jahre lang,
Cleopatra den Stab dort in Aegypten schwang?
Was that nicht Tomyris das Oberhaupt der Scythen,
Wie? hemmete sie nicht des grossen Persers Wüten?
Was fand nicht Cyrus hier für starken Widerstand,
Als er den liebsten Sohn in harte Fesseln band?
Wie schleunig sah er sich in Bergen eingeschlossen,
Wie häufig ist sein Blut im Streit herab geflossen?

Was für ein herrlich Lob erhielt Zenobia,
Die man als Königin dort in Palmyra sah?
Mir ist, als säh ich noch im Geist den Küraß blitzen,
Worinnen sie gewohnt war auf dem Thron zu sitzen;
Wie kräftig muste nicht ihr blosser Zuspruch seyn?
Durch den blies sie dem Heer ein männlich Feuer ein.
Die Römer haben oft ihr blutig Heft gefühlet;
Wie hat sie nicht den Muth an andern mehr gekühlet?

Ein mürbes Blat, das noch von alten Böhmen spricht,
Vergißt, schlagt selbsten nach, Libussens Namen nicht,
Ihr Ruhm daurt itzo noch; man weis nicht gnug zu sagen,
Wie klug und männlich sie den Fürstenhuth getragen.
Und Pohlen muste selbst der Venda zugestehn,
Es hätten, da man sie ließ durch die Wahl erhöhn,
Die Stimmen in der That nicht schöner fallen können,
Warum? ihr Eifer war ein Wunderwerk zu nennen.

Wirft man den regen Blick auf andre Reiche hin,
O wie erstaunt man da? mit was verwirrtem Sinn
Und halb betäubtem Geist stehn wir bey güldnen Bühnen,
Die zum geweyhten Sitz gekröhnter Frauen dienen!
Uns ist, als würden wir bezaubert und entzückt.
Denn ob man gleich die Tracht so Weiber ziert, erblickt,
So widerspricht uns doch ihr gar zu männlich Wesen,
Das gleich ein jeder muß aus ihren Augen lesen.

Die Zierde Cimbriens, das Wunder ihrer Zeit,
Margrethe, deren Geist, Verstand und Trefflichkeit
Noch in der Asche lebt, hat aller Welt gezeiget,
Wie hoch bey Weibern auch Verdienst und Würde steiget.
Der Kronen Kleeblat muß, o! kaum erhörte Last,
Die du, o Heldin, einst zugleich getragen hast,
Auch Prinzen später Zeit, den man es wird erzehlen,
Mit heisser Eifersucht, dir gleich zu kommen, quälen.

Wie löblich führte sie nicht den Regentenstab?
Wie blutig fertigte sie dort den Albertus ab?
Der ihr noch vor der Schlacht, die Nadeln scharf zu streichen,
Aus bitterm Hohn und Spott ließ einen Wetzstein reichen?
Sie braucht ihn, aber wie? so, daß bey solchem Spiel
Der Schimpf der Spötterey auf ihn zurücke fiel,
Dieweil er bey dem Streit mit Schmerz erfahren muste
Daß sie das Schlachtschwerdt wohl darauf zu wetzen wuste.

In welchen Theil der Welt drang nicht der Fama Thon
Von der Elisabeth, die nach der Britten Thron
Von Ost, West, Süd, und Nord hieß aller Augen fliegen,
So bald sie selbigen durch Erbgangsrecht bestiegen?
Wo hat es ihr ein Prinz im Herrschen vorgethan?
Schaut nur den grossen Geist, schaut ihre Staatskunst an,
Die sie aus Büchern selbst, gedoppelt Wunder! lernte,
Indem ihr Scepter sich niemals vom Kiel entfernte.

Wie klug klingt itzo noch das Urtheil unsrer Welt,
Das Sixtus, als ein Feind, dennoch von ihr gefällt!
Die Wahrheit hieß sie mit zu den drey Häuptern setzen,
Die man sollt ganz allein für herrschenswürdig schätzen.
So schwürig und verwirrt sie auch das Reich befand,
So wuste doch gar bald der Fürstinn starke Hand
Durch Großmuth und Verstand das alles zu vollbringen,
Was eine Männerfaust vorher nicht konnt erzwingen.

Neptun bewundert noch Elisabethens Macht,
Wodurch sie auf der See den Feind in Furcht gebracht.
Sah man nach Indien nicht Mast und Seegel fliegen?
Wie tapfer wuste sie dort Cadix zu besiegen?
Des stolzen Spaniers ganz ungeheure Zahl
Der Schiffe, welchen er aus Ehrgeiz anbefahl,
Der Britten Reich und Land den letzten Stoß zu reichen;
Muß ja mit Schaam und Schmerz der schwächren Flotte weichen.

Auch Oesterreich weist uns bey jener Zeiten Lauf
Dergleichen Heldinnen und hohe Seelen auf;
Ließ Margaretha nicht ehmals den Degen blitzen,
Der Niederländer Staat und Grenzen zu beschützen?
Hier war ein Männerherz in weiblichem Gewand,
Mit was für muntern Geist, und mehr als tapfrer Hand
Sah man die Heldin nicht Antwerpens Wall erfechten,
Und sich den Siegeskranz zu dem Triumphe flechten!

So schön lenkt Isabell auch dies Regierungs Schiff,
Die eine Zeit darauf nach solchem Ruder griff,
Ihr Ruhm ist ungemein, von dem bey unsern Tagen
Noch immer hier und dar die Zeitregister sagen.
Fällt euch, ihr Zweifler, nicht Ostendens Hafen ein,
Der, schien er allen gleich ein Wunderwerk zu seyn,
Woran ein Riesenheer den Kopf zerschellen müste,
Mit Ehrfurcht doch zuletzt den stolzen Heerstab küßte?

So gern der Franzmann auch, wie Wahl und Satzung weist,
Den Scepter aus der Hand der zarten Weiber reißt,
So must er ehmals doch, die Wahrheit zu bekennen,
Marien von Florenz zum Herrschen tüchtig nennen;
Sie wars, die statt des Sohns den Regimentsstab nahm,
Mit angeworbnem Heer dem Feind entgegen kam,
Und der Rebellen Schwarm, mit dem sie muthig kämpfte,
Zur Sicherheit des Reichs und ihrer Ehre dämpfte.

Wo bleibt der Gothen Haupt, der Schweden Wunderbild,
Christine? war sie nicht des Reiches Schirm und Schild?
Mit was für Klugheit hat sie ehemals regieret?
Der Länder Heyl besorgt, mit Feinden Krieg geführet?
O! was erhob sich da für Klagen und Geschrey,
Wie weinend lief das Volk, von Furcht gerührt, herbey,
Als sie, wer wollt es nicht für eine Großmuth achten,
Drey Kronen von sich warf, wornach so viele trachten.

Ja Völker, die man doch zu Barbaren stellt,
Halb wild und rauh benennt, für ungesittet hält,
Gestehn, daß eine Hand vom weiblichen Geschlechte
So viel als Männerkraft im Regiment vermöchte.
Legt uns die Pforte nicht die Trefflichkeit noch dar,
Die Achmets Mutter dort der Muselmänner Schaar,
Eh noch dies junge Haupt das Scepter konnte fassen,
Zu Kriegs- und Friedens Zeit recht rühmlich blicken lassen?

Sagt, Widerspenstige, kann es wohl möglich seyn?
Fällt euch nicht Annens Geist und edles Wesen ein,
Die Großbritannien, wo sie den Thron besessen,
Ja alle Welt noch nicht biß itzo kann vergessen?
Was nur ihr Witz erdacht, und ihre Hand gethan,
Das sahe man mit Recht vor Herculs Arbeit an,
Wiewohl sie diesen auch, der nur zwölf Thaten zeiget,
In ihrer Schlachten Zahl bey weitem übersteiget.

Wie lang hat Engelland, wenn man zurücke schaut,
An der Vereinigung der Reiche schon gebaut?
Vermocht auch wohl ein Prinz dergleichen Streit zu schlichten?
Nein; eine Königinn konnt alles dies verrichten.
Das stolze Gallien, das damals um sich griff,
Und den gefaßten Stahl zu vieler Nachtheil schliff,
Erfuhr, was Annens Schwerdt mit ihren Bundsgenossen
Vor überhäuftes Blut so hier als dort vergossen.

Ihr Russen, saget uns, was Catharina that,
Die vor den harten Riß des grossen Petrus trat.
Ihr saht sein Antlitz zwar, doch nicht den Geist verschwinden.
War zwischen ihm und ihr ein Unterschied zu finden?
Gar nicht; dies grosse Weib ließ, da der Fall geschehn,
Des Kaysers Ebenbild auf Thron und Wahlstatt sehn,
Und eben dieses macht, daß ihr nicht sonder Thränen
Der Heldinn Namen noch biß itzo könnt erwehnen.

Jedoch, ihr hemmet nun der treuen Zähren Lauf,
Und klärt mit allem Recht das Antlitz wieder auf;
Denn eine Kayserinn, hat Rußland zu vergnügen,
Schon den verwaysten Thron mit vollem Glanz bestiegen;
Sie schafft euch Heyl und Flor, schaut nur ihr Herrschen an,
Wie klug und männlich sie den Scepter führen kann.
Seht, wie sie Reich und Land, wonach ihr Auge blitzet,
Zum Wunder aller Welt durch Witz und Staatskunst schützet.

Betrügt mich nicht mein Blick, so hat sich Haß und Neid
Vor Angst und Furcht versteckt, weil solche Herrlichkeit,
Die man zu aller Zeit verehrt und hochgeschätzet,
Die Misgunst schweigend macht, und in Erstaunen setzet.
So hoch ihr auf dem Thron, gekrönte Frauen, sitzt,
Die Länder überseht, und in die Ferne blitzt,
Wird euer Auge doch dahin nicht blicken können,
Wo Famens lauter Ruf wird euren Namen nennen.

O zürnt und eifert doch, ihr Heldinnen, ja nicht,
Wenn meine Muse hier nicht so erhaben spricht,
Als eure herrlichen und Göttergleichen Gaben
Von Schreibern der Geschicht und Dichtern wollen haben.
Itzt merk ich allererst von blöder Furcht gerührt,
Wie frech die Dichtkunst mich verleitet und verführt;
Drum leg ich auch nunmehr, die kühne That zu büssen,
Hier den verwegnen Kiel beschämt zu euren Füssen.