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Ueber das hohe Absterben Sr. Königl. Majestet von Pohlen und Churfürstl. Durch. zu Sachsen von

2. Gedichte

Ueber das hohe Absterben Sr. Königl. Majestet von Pohlen und Churfürstl. Durch. zu Sachsen.

Ihr Musen! reizt mich nicht; ach feuret mich nicht an;
Weil ich euch itzo nicht Gehorsam leisten kann,
Da Furcht und Schrecken herrscht, und sich die Thränen häufen,
Mein schwaches Dichterrohr, wie ehmals zu ergreifen.
Welch Unglück, wenn der Schmerz zu schweigen uns gebeut
Gespielin! sagt mir doch, wo ist die schöne Zeit,
Da mich ein holder Wink gar leichtlich konnte zwingen
Den Jubelvollen Tag mit Ehrfurcht zu besingen,
Der unsern Held August, der Schwerdt und Zepter trug,
Und über uns zum Schutz die Adlersflügel schlug,
So wie es Reich und Land vom Himmel hat erbeten,
Das grosse Stuffenjahr frolockend ließ betreten.
Wie feurig und entbrannt lief ich nicht nach dem Ziel?
Wie munter und erfreut rührt ich mein Seitenspiel?
Da mich des Königs Kraft im Dichten unterstützte,
Und mich so wohl als euch ganz unvermerkt erhitzte.
Doch wie verändert sich der Schauplatz unsrer Zeit?
Da heut ein Zorncomet den Ländern, leider! dräut.
Wie stets um unsern Hayn, wo sich der Glanz zertheilet,
Weil Phöbus und die Schaar mit Schmerz von hinnen eilet?
Die Reihen haben sich in Klagen nun verkehrt;
Der scharfe Donnerkeil, der durch die Wälder fährt,
Und unsern Sitz zerschellt, schlägt Muth und Sinnen nieder,
Singt, Musen! aber nur vor diesmal Trauerlieder.
Wo sind die Geister hin? wo bleibet Glut und Brand?
Wie stockt die Feder nicht? wie schwer ist hier die Hand?
So munter ihr sonst ließt der Seiten Klang erschallen,
So schläfrig spielt ihr itzt, weil euch das Herz entfallen,
Und eine Schreckenspost, die man fast nicht geglaubt,
Euch Stärke, Feuer, Kraft und Geist auf einmal raubt.
Weh uns! da wir den Kiel bey tausend Kümmernissen,
An Aganippens statt, in Thränen tauchen müssen!
Verhaßte Dichterkunst! so nenn ich dich nunmehr,
Als ob ich niemals dir geneigt gewesen wär.
Es will so Trieb als Lust, die Reime zu verbinden,
In mir nun ganz und gar bey diesem Fall verschwinden.
Wie möchte wohl die Hand bey allgemeiner Pein,
Den uns geraubten Prinz zu schildern fähig seyn?
Mit dem wir alle Lust, Vergnügen und Ergetzen,
Mit tausend Jammer sehn in fremde Grüfte setzen.
Verschmähter Musengott! Nimm alles was du mir
Bisher verliehen hast, hinwiederum zu dir.
Warum begehrest du, daß die verstimmten Seiten
Dem Schutzgott unsrer Zunft ein Sterbelied bereiten?
Doch nein, vergib dem Schmerz, der mich zum Unmuth zwingt,
Und der Gedanken Lauf aus ihrem Zirkel bringt;
Laß mich ein Lorberreis die Pflicht dir zu bezeugen,
Um meines Königes verblichne Schläfe beugen.
Bestürzte Clio, schau, dort liegt der Held entseelt,
Um dessen schnelle Flucht Teutonien sich quält.
Dort wo die Wehmuth itzt das Echo ihrer Klagen,
Hört an der Weichsel Strand und ihr Gestade schlagen,
Das hier der Elbe Strohm bey seinem stille stehn,
Weit stärker wiederholt und durch die Lust läßt gehn;
Da legt der grosse Fürst so Kron als Churhuth nieder;
Da sinkt das Heiligthum, der Tempel seiner Glieder,
Von dessen Riß und Fall, so weit er auch geschah,
Ganz Sachsenland erbebt, und sich erschüttert sah.
O! laß Gehülfin, doch uns den Verlust ermessen:
Was haben wir durch ihn so lange Zeit besessen?
Was Unvergleichliches; ein solch unschätzbar Pfand,
Das uns zu unsrer Lust des milden Himmels Hand
Statt eines Kleinods gab; der durch viel Helden Thaten
Den Königlichen Geist vor aller Welt verrathen,
Den, wenn er auch vom Thron ganz aus geschlossen blieb,
Doch seine Trefflichkeit zu Weltbeherrschen schrieb.
Was Wunder, wenn sich da die Helden Mühe machten?
Das Wunder ihrer Zeit, Augustum zu betrachten?
Allein was stellen wir dem tief gekränkten Chor
Den glücklichen Besitz des grossen Augusts vor?
Dem die Natur allein die Schätze zugewogen,
Die sie sonst tausenden mit Vorbedacht entzogen.
Ja, ja, wir haben ihn gehabt, doch weiter nicht,
Weil unser Wunsch verfliegt, der Hoffnungsanker bricht.
So groß der Vorzug war, den man uns muste gönnen,
So groß hingegen ist auch nun der Schmerz zu nennen.
Was gleicht der Völker Angst? was Sachsens Ungemach?
Gerechte Seufzer flieht, flieht unserm König nach,
Auf, fleht, bewegt sein Herz durch Thränenvolle Blike
Zwingt es zur Wiederkehr; ach! holt den Held zurücke.
Schau doch, umstirnter Fürst, auf uns, dein Volk herab,
Dem ja dein Auge sonst so holde Blicke gab;
Erwege seine Noth, sieh, da die Flucht geschehen,
Wie traurig jedes steht, dir sehnlich nach zu sehen.
Wer nur die Zunge regt, der spricht mit herber Pein:
O hätte doch August nicht müssen sterblich seyn;
Ihr Wolken theilet euch vom Schall der Klagelieder
Gieb, Schicksal, uns diesmal nur unsern Vater wieder!
Betrübte Muse schweig, und klage nicht zu viel;
Denn der verklärte Held setzt selber dir ein Ziel.
Mir ist als hört ich ihn von den erhöhten Stuffen,
Zum Troste seines Volks und der Provinzen rufen:
Mein Sachsen, glaube nicht, ob gleich Augustus flieht,
Daß selbiger nunmehr dir Huld und Schutz entzieht;
Du hast durch seinen Fall ihn nicht so gar verlohren,
Er lebt noch in dem Prinz den dir das Glück erkohren.
Der Erbe seines Stuhls, der von des Vaters Geist
Ein wahres Ebenbild in allen Thate weist,
Wird nach verschwundnem Leid dich wiederum ergetzen,
Und was du itzt verliehrst, zu deinem Heil ersetzen.