Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Die Thränen von

Die Thränen

Schillt den Thau auf dürrem Anger,
Schilt der Wehmuth Thräne nicht!
Ach! die Wüste schmachtet banger,
Der es lang' am Thau gebricht.

Laß ihn tröpfeln, laß ihn fallen,
Schilt ihn nicht, den Thränen-Thau;
Mühsam ist's, hier unten wallen,
Auf der dürren Lebensau.

Schwer und lastend ist die Schwüle,
Sengend ist der Mittagstrahl:
Des Zypressenhaines Kühle
Winkt uns erst im fernen Thal.

Wenn die dürre Haide lechzet,
Wenn es unerbittlich sengt,
Hirt und Heerde traurig ächzet,
Und das Haupt zu Boden hängt;

Und die Wolke dann von oben
Segenträufelnd nieder bebt:
O wie mildiglich erhoben
Jedes Hälmchen aufwärts strebt!

O dann lächeln Flur und Haide,
Hirt und Heerde jubeln laut,
Und dem Schmerz vermählt die Freude
Sich, wie eine junge Braut.

Laß ihn tröpfeln, laß ihn fallen,
Schilt ihn nicht, den Thränen-Thau;
Mühsam ist's, hier unten wallen,
Auf der dürren Lebensau.

Ach! mein Saitenspiel bethaute
Oft mit mildem Thau der Schmerz!
Naß ward meine liebe Laute,
Leichter ward mein schweres Herz.