Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Der Mond von

Der Mond

Im stillen, heitern Glanze
Tritt er so mild einher;
Wer ist im Sternenkranze
So schön geschmückt als er?

Er lächelt still, bescheiden,
Verhüllt sein Angesicht,
Und giebt doch so viel Freuden
Mit seinem trauten Licht.

Er lohnt des Tages Beschwerde,
Schließt sanft die Augen zu,
Und winkt der müden Erde
Zur stillen Abendruh.

Schenkt mit der Abendkühle
Den Seelen reine Lust;
Die seligsten Gefühle
Gießt er in unsre Brust.

Lockt uns zu heil'gen Bäumen
Im schauerlichen Hain,
Weiht uns zu hohen Träumen
Vom Glück des Himmels ein.

Wenn dann ein leises Wehen
Im schönen Blüthenbaum,
Den wir umschimmert sehen,
Vollendet unsern Traum;

Dann glänzt es in den Blicken,
Dann klopft's in unsrer Brust;
Was fehlt dann zum Entzücken
Des Himmels unsrer Lust?

Du, der ihn uns gegeben
Mit seinem trauten Licht,
Hast Freud' am frohen Leben,
Sonst gäbst du ihn uns nicht.

Hab' Dank für alle Freuden,
Hab' Dank für deinen Mond -
Der Tages Last und Leiden
So reich, so freundlich lohnt!