Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Frühlingslied von

Frühlingslied

Wer fühlen kann, fühle!
Der Frühling ist da.
Ein frohes Gewühle
Ist fern und ist nah,
So lachend der Himmel,
Die Lüfte sind mild,
Ein lautes Gewimmel
Die Lüfte nun füllt!

Dies mählige Schwinden
Der Wintergestalt,
Dies Frühlingsverkünden
Im Feld und im Wald,
Die Säuseln, dies Wehen,
Der Lerchen Getön,
Ihr Wirbeln, ihr Drehen,
Wie schön, o wie schön!

Ihr Schweben, ihr Steigen
Zum Himmelsgebiet,
Ihr Jubeln, ihr Schweigen,
Ihr wonniges Lied,
Wie hebt es so mächtig
Die Seele empor!
Sie schwinget, sie mischt sich
In's wonnige Chor.

Es sumset die Biene,
Es wandert der Wurm
Im keimenden Gründe,
Verweht ist der Sturm;
Es streifet die Hülle
Der Schmetterling ab,
Entschwingt sich der Stille,
Dem fesselnden Grab.

Die Vögel so wonnig
Bereiten ihr Nest;
Die Haine so sonnig,
Durchrauschet der West;
Er mildert mit lauem
Gefächel den Strahl;
Er locket die blauen
Violen in's Thal.

Es drängen die Keime
Herauf aus der Gruft,
Es trinken die Bäume
Die mildige Luft.
Die Knospen, - sie heben
Sich, drängen hervor,
Sie schwellen, sie streben
Zum Leben empor.

Wer fühlen kann, fühle!
Der Frühling ist da.
Ein frohes Gewühle
Ist fern und ist nah.
Es strömet die Quelle,
Der Leben entfließt,
So lauter, so helle -
Genießt, o genießt!