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Am ersten Mai von

Am ersten Mai

Da ist er, da ist er, der liebliche Mai!
Der Himmel so heiter, die Erde so neu!
Die Fluren so duftig, so blinkend vom Thau,
Die Bäche so murmelnd, die Lüfte so lau!

Die Nachtigall jubelt im Blüthengesträuch,
Vor wonnigem Taumel, von Zweige zu Zweig!
Es lispeln die Winde so leise, so mild,
Von Blumen durchduftet, von Wohllaut erfüllt.

Due liebliches Stimmchen im Blüthengesträuch,
Wem bist du mit deinem Gezauber denn gleich?
So lockend, so schmelzend, so innig, so süß -
Bist Stimme der seligen Liebe gewiß!

Es gaukeln die Heerden im thauigen Grün,
Es neigen die Büsche sich über sie hin;
Es gleiten die Fischchen im ruhigen See,
Es taumeln die Bienen im keimenden Klee.

O lieblicher, wonniger, blumiger Mai!
Du bist es, du machst uns die Erde so neu,
Die Sonne so freundlich, den Himmel so blau,
Die Fluren so duftig, so lachend die Au.

Du blickest vom Rosengewölbe herab,
Da flohen die Blumen ihr moosiges Grab,
Da hauchten die Fluren balsamischen Duft,
Da tönte von wonniger Liebe die Luft.

Willkommen, willkommen, du Geber der Lust! -
Wir schmücken mit Kränzen das Haar und die Brust.
Entfernt euch, ihr Sorgen, entfliehe, du Schmerz;
Wir opfern dem Maien ein fröhliches Herz.