Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Worte von

Worte

Sende nicht Worte mit fliegender Eile;
Zürnende Worte sind brennende Pfeile,
Tödten die Ruhe der Seele so schnell.
Schwer ist's zu heilen und leicht zu verwunden.
Schnell ist verloren - doch wieder gefunden,
Wieder gefunden ward nimmer so schnell.

Drücken die Pfeile dich schwer in dem Köcher;
Trinke, dir reichet Geduld ihren Becher;
Dein ist der Pfeil in dem Köcher allein.
Spanne nicht jählings den wartenden Bogen;
Ist der gefiederte einmal entflogen,
Niemand lockt wieder zum Köcher ihn ein.

Hätt'st du gesehen die blutende Wunde,
Die dem Geliebten in finsterer Stunde
Oftmals ein einziges Wörtchen nur schlug; -
Lieber, du würdest im Köcher sie halten,
Ließest die schonende Liebe nur walten:
Dulden und Schonen ist gut und ist klug.

Zart ist und sein und gar leicht zu verletzen,
Nie zu ergänzen und nie zu ersetzen,
Zart ist der Freundschaft geheiligtes Band.
Schone, o schone, was Himmlische weben;
Ist es zerrissen, so hilft dir kein Streben:
Neu es zu knoten, ist eitel, ist Tand.