Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Die Grafenbraut von

Die Grafenbraut

Ruhmgekfönt vom fernen Morgenland
Kommt der Graf von Sayn zum Heimathstrand -
"Sieben Jahr' ist eine lange Zeit,
Ach! es hat mich oft gereut." -

"Weibertreu', den Winden ist sie gleich!
Edle Braut, du bist so still und bleich,
Hat dein Herz allein an mich gedacht,
Oder Andern zugelacht?"

Aber traurig ihre Lippe spricht:
""Männertreu', hienieden lebt sie nicht,
Aber Weibertreu' bis an das Grab,
Ritter, schwörst du mir nicht ab.""

"Hat dir nicht im Morgenland gedroht
Pest und Feindesschwert mit frühem Tod?
Sag', wer gab dem Leben dich zurück,
Kühn entsagend eignem Glück?"" --

""Morgen scheid' ich ewig von der Welt,
Ueber dieses Haupt der Schleier fällt. -
Ruf' mir deinen blonden Knappen her,
Der dir folgte über's Meer.""

""Junge Maid, ich wußte längst von dir,
Hast ihn ja vom Tod errettet mir,
Wirst von ihm geliebt und liebst ihn treu,
Arme Maid! - ich geh' ihn freu.""

""Weg die Rüstung - nimm dies Brautgewand,
Nimm, o nimm den Ring vn seiner Hand,
Du statt meiner tritt zum Altar hin,
Wenn ich in dem Kloster bin!""