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Wie wird es sein von

Wie wird es sein

Wie wird es sein, wenn dämmerhelle
Die Welt verschwimmt vor meinem Blick,
Und mit der letzten Lebenswelle
Entflieht das lang gewohnte Glück?
Wird's vor dem Dunkel mir nicht grauen,
Das unbekannte Wege deckt?
Die nie ein Auge durft' erschauen,
Das Sonnenschimmer froh geweckt.

Wir wird es sein - wenn all mein Denken
Im schweren Schlummer untergeht,
Sich rings umher die Kniee senken,
Und leise zitternd das Gebet
Von meiner Lieben blassem Munde
Für mich empor zum Himmel steigt,
Ein Lebewohl der Abschiedsstunde
Für eine Ewigkeit vielleicht.

Wie wird es sein - wenn da mein Leben
Am innern Sinn vorüberzieht?
Die dunkeln Stunden sich erheben,
Die beste wie ein Schatten flieht
Und Mahnungsstimmen in mir klagen
wie träge Thatst du deine Pflicht!
Was folgt aus so viel leeren Tagen
Dir jetzt, vor Gottes Angesicht?

Wie wird es sein - wenn alle Thränen,
Dich ich entpreßt dem Freundesblick,
Mit eitlem Thun und falschen Wähnen,
Und oft mit selbstverscherztem Glück,
Wenn frommer Eltern banger Kummer
Um mich, im Strom der Erdenluft,
Sich drängt in meinen letzten Schlummer,
Und Berge wälzt auf meine Brust?

Wie wird es sein - wenn all' mein Streben
Als Nichts erscheint, als Kindertand,
Und was der Himmel mir gegeben,
Zu wuchern mit dem edlen Pfand,
Vergeudet, oder tief vergraben
Sich zeigt ein unfruchtbarer Hort,
Indessen Andrer klein're Gaben
Im Segen wurden - That und Wort.

Wie wird es sein! - o meine Seele!
Erwäg' es jetzt mit aller Kraft,
Daß dir der sichre Trost nicht fehle.
Wenn tief verstummt die Leidenschaft.
Wenn alle Erdenfreuden schwinden,
Wenn von dir läßt, was dich geliebt,
Und ach! von allen deinen Sünden
Die ew'ge Wahrheit Zeugniß giebt!

Wie wird es sein! - wer mag es künden
Das Jenseits ist ein dunkles Land.
Doch seine Auen werd' ich finden
An meines Gottes starker Hand,
Er hört des Seufzers bange Reue,
Und Keiner ist vor ihm gerecht!
Doch liebt er auch mit Vatertreue
Der Menschen sündiges Geschlecht.

Um seines lieben Sohnes willen
Nimmt er's in seine Gnadenhut,
Und wird mein gläubig Flehn erfüllen
Bei des Erlösers theurem Blut.
Dann wird es sein ein selig Scheiden,
In Lieb' und Hoffnung, ohne Weh!
Dann folgt der Erdenprüfung Leiden
Ein Hosianna in der Höh'!