Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Stimmen der Nacht von

Stimmen der Nacht

Hörst du die Bäume rauschen
Im lichten Mondenschein?
In nächt'ger Stunde tauschen
Sie Grüße aus und ein.

Der Lärm des Tages schweiget,
Die Menschen gehn zur Ruh',
Und jeder Wipfel neiget
Sich leis dem andern zu.

Wie lieblich, sagt der eine,
Indem er rauschend nickt,
Doch nach dem Sonnenscheine
Der kühle Thau erquickt.

Wie geht es meinem Kinde,
Das da so schwankend steht?
Und grüßt mir schön die Linde,
Eh' noch die Nacht vergeht.

Die kleinen Vögel alle
In unsrer Zweige Huth,
Sie sind doch vor dem Falle
Geschützt und schlummern gut?

Horch! leise Töne klingen
Gar hold von Baum zu Baum,
Die kleinen Vögel singen
Im leichten Frühlingstraum.

So rauschen Lied und Töne
Verlockend durch die Nacht,
Bis neu in Glanz und Schöne
Der lichte Tag erwacht.