Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Gruß von

Gruß

So gehst du in die ferne Stadt,
Die mich in schönern Tagen
So manches Jahr umschlossen hat,
Und willst nach Grüßen fragen?

Verstreut sind wohl die Freunde all' -
Es soll mich auch nicht kränken,
Verklungen ihrer Stimmen Schall,
Mit ihm ihr Angedenken.

Es trennt ein gar zu weiter Raum
Das Damals und das Heute -
Doch denk' ich noch an einen Baum,
Deß Schatten mich erfreute.

Die Freudenstunden waren rein,
Die unter ihm verflossen;
Es klingt manch arger Mißton drein,
Gedenk' ichder Genossen.

Geändert ist der Freunde Sinn,
Sie sind wohl matt und trübe,
Sind kalt, wie ich es selber bin,
Vergessen alter Liebe.

Er Baum nur steht noch frisch belaubt,
Wie einst vor vielen Jahren,
Und wie er rauscht ob deinem Haupt,
So hab' auch ich's erfahren.

Dies milde Rauschen hat mir oft
Recht süßen Traum gegeben,
Dort habe ich geträumt, gehofft,
Was ich gehofft im Leben.

So grüß' den guten Baum mir recht,
Ich werd' ihn lieb behalten -
Die Menschen sind ein neu Geschlecht,
Er ist noch von den Alten.