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Aus dem dunklen Thal von

Aus dem dunklen Thal

Aus dem tiefen, tiefen Thal,
Wo die dunkeln Tannen stehn,
Mag ich gern im Abenstrahl
Ferne Gipfel glänzen sehn.

Ahnen, wie das Leben schön
Droben ist im Sonnenschein,
Denke mich auf lichte Höhn,
Mag ich auch im Dunkel sein!

Und in trüber, trüber Zeit,
Wenn erbleicht das eigne Glück,
Weilt auf fremder Seligkeit
Gern mein tränenvoller Blick.

Und im Stillen fühl' ich nach,
Wie man fröhlich lebt und liebt,
Wie des Glückes Sonnentag
Andern Herzen Wonne giebt.

Heller wird das Angesicht,
Und die Thräne selbst versiegt,
Wenn mein Geist empor zum Licht
Ferner Sonnenhöhen fliegt.

Darum, Herr, muß ich im Thal
Einsam durch die Schatten gehn,
Laß mich nur im Sonnenstrahl
Ferne helle Gipfel sehn!