Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Stille von

Stille

Gieb du mir nur den sel'gen Sinn,
In allen Dingen still zu sein;
So nehm' ich auch die Armuth hin,
In Armuth bist du, Reicher, mein!
Geh' du mit mir, wohin du willst,
Du führst auf Friedenswegen,
Und wenn du dich in Dunkel hüllst,
Ist's nur verhüllter Segen!

Oft weiß ich wohl nicht ein und aus,
Ich fühle nur mein eignes Nichts,
Und leer it meines Herzens Haus,
Wie ausgelöscht der Schein des Lichts.
Ich seh' nur, was vor Augen ist,
Du siehst das Unsichtbare;
Ich fühle nur, was fühlbar ist,
Du fühlst das ewig Wahre.

Doch Eines weiß ich festiglich:
Ich lieg' in deiner strarken Hand,
Es ist dein Angesicht auf mich
In Gnaden hergewandt!
Der Morgenstern, dein süße Blick,
Strahlt mir in klarer Liebe,
Weicht nicht vor meiner Nacht zurück
und wird durch sie nicht trübe.