Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Zu mir selbst von

Zu mir selbst

Auch du, auch du wirst wallen
Ins große unbekannte Land.
Auch du, auch du wirst allen,
Die vor dir waren, nachgesandt.

Ja scheiden wirst du, scheiden
Vom lieblichem, geliebten Licht
Und allen seinen Freuden:
Doch traure nicht und bebe nicht.

Zwar sind hier Nachtigallen,
Es blühn hier Veilchen und Jasmin,
Und Apfelblüthen fallen
Zu deinen Füßen duftend hin.

Es blühn dir Mayenglocken,
Es röthet dir die Rose sich;
Es kränzt die goldnen Locken
Der junge Morgen wonniglich.

Des Himmels Bogen strahlet
In siebenfacher Herrlichkeit,
Die Abendwolke mahlet
Mit goldnem Saum ihr Purpurkleid.

Auch leuchten dir die Sphären,
Auch siehest du im Silberschein
Dein Gärtchen sich verklären;
Es glänzt dir zaubernd Busch und Hain.

Und hell're Freuden glänzen
Dem reinen stillen innern Sinn,
Und schön're Rosen kränzen
Dir deinen Pfad durchs Leben hin.

Der innre Richter, lohnend
Versüßt dir Arbeit, Kampf und Schmerz,
Und Freundschaft nimmt dich schonend
Und schirmend an ihr treues Herz.

Was wollt ihr denn, ihr Thränen,
Die von der Wang' herunter thaun?
Was willst du stilles Sehnen?
Was heißt dich immer aufwärts schaun?

Uns lehrt das innre Sehnen,
Es sey jenseits ein andres Land,
Wo nur der Wonne Thränen,
Und wo nicht Harm noch Schmerz gekannt.

Nach diesem Lande wallen
Wir Pilgerleute klein und groß.
Es lacht, es winkt uns allen,
Und ladet uns in seinen Schooß.