Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Die Störche von

Die Störche

Ein Storchpaar in Hammona's schönen Auen
Vereinte sich, sein Sommerhaus zu bauen,
Und wählte sich dazu das breitste Dach,
Das je auf einer Pachterhütte lag;
Schon trug es Reisig, Stroh und Heu
Und was zum Baue sonst vonnöthen,
In langen Schnäbeln emsiglich herbey. -
Mit einem Mahl schwebt ungebeten
Noch ein Paar Gäste hier heran,
Und eifrig nimmt das Wort der fremde Mann,
Und fraget klappernd: sagt uns an,
Wie kommt ihr doch zu diesem Dache?
Ich hier und meine liebe Frau
Wir protestieren gegen euren Bau;
Und, daß ichs kurz mit euch nur mache,
Dieß Dach, und unten diese Lache
Mit allen Fröschen und was sonst drin schwimmt,
War uns zum Eigenthume längst bestimmt.

»Ihr irret Freund, befragt euch nur genau
Wie lange wir zu diesem Sommerbau
Uns schon das Plätzchen ausersehen,
Auch ist der Grund ja, wie ihr seht, gelegt,
Zu dem man leicht den Rest zusammen trägt,
Drum bitt' ich, laßt es doch geschehen.« -

Die Bitte schien ganz billig, ganz gescheidt;
Und doch ward heißer noch der Streit,
Sie klapperten mit großer Heftigkeit
Noch manchen Grund und Gegengrund sich zu,
Und wußten doch zum Frieden und zur Ruh'
Nicht anders sich zu helfen noch zu rathen,
Als daß man beyderseits vom Dache flog
Und links und rechts nach andern Dächern zog.

Ihr armen Störche! helft euch schlecht;
Wir wüßten besser uns zu rathen:
Ihr kennet wohl nicht Eidschwur oder Recht?
Ihr habt wohl keine Advokaten?