Northeimer Datenbank Deutsches Gedicht

Der Traum von Hannchen. Im Oct. 1804. von

Der Traum von Hannchen. Im Oct. 1804.
Welches mir in einem Alter von 2 Jahren und 9 Monaten starb.

Sey mir willkommen, sanftes Ruhebette,
Wo um mich her die tiefste Stille wohnt,
Und wo mir Hannchen, die ich gern noch hätte,
Im Traume süß die heissen Thränen lohnt! -

Da seh ich sie - da eilt sie mir entgegen;
Da weid' ich mich an ihrem Engelsblick;
Da träum' ich mich auf blumenvollen Wegen
Mit ihr vereint, und wünsche nicht zurück.

Da pflück' ich ihr die schönsten Blumen alle,
Sie freut sich hoch, und lächelt hold mich an;
Hüpft froh umher - ich leite sie - und walle,
Sie an der Hand, die wonnevollste Bahn.

Doch ach! wie schnell, den Schatten gleich, entfliehen
Die Träume mir, und das genoßne Glück. -
Und statt der Wonne süßer Phantasien
Kehrt düstrer Gram in meine Brust zurück.

Nichts ist mir schön auf Gottes weiten Erde;
Der Himmel nur ist meiner Wünsche Ziel;
Wo ich den Lohn der Thräne finden werde,
Die hier, geweint auf Gräber niederfiel. -

Dort wohnt mein Glück - dort scheint die Sonne milder;
Dort küß' ich sie - dort ist sie wieder mein;
Verschwunden sind der Erde Schattenbilder,
Und ew'ges Licht wird meinen Geist erfreun.

Du, hoher Glaube! laß mich dich umfassen,
Wenn schon auf mir die bittre Trennung liegt,
Sey du mein Stab, daß sich mein Herz gelassen
Und still ins dunkle, heil'ge Schicksal fügt. -